Mittwoch, 14. Oktober 2015

Poem - Ein Märchen Kapitel 6 - Der Kreis schließt sich

VI. DER KREIS SCHLIESST SICH



Endlich wieder ganz bei Sinnen

Dankt er dem Mann in höchstem Ton

Will hundertfach es ihm vergelten

Und fragt ihn nach gewünschtem Lohn

der Beduinen allerdings

schüttelt nur sein Haupt

Seine Tat war selbstverständlich

Da fest an seinen Gott er glaubt

Der Nächstenliebe ihn gelehrt

Das niemals er den Rücken kehrt

Dem, der ist in bittrer Not

Und hilflos , nahe schon dem Tod

Doch fragt er ihn nach seinen Gründen

Die in die Wüste ihn getrieben

Weiß er denn nicht, wie viele Opfer

Schon in ihren Fängen blieben



Der Prinz berichtet von den Wegen

Die er bis hier schon war gegangen

Erzählt vom Grunde seiner Reise

Wie von den Räubern er gefangen

Mit Tränen in den grünen Augen

Spricht er von der jungen Maid

Die in ihren Tod gelaufen

Als ahnungslos sie ihn befreit

Von der Königin des Waldes

Und ihrem funkelnd Märchenschloss

Von ihrem Ritt nach Tir-Nagalo

Auf dem geschenkten , stolzen Ross

Vom Meer spricht er und ihrer Fahrt

Von der Piraten wildem Lied

Von dem Sturm der sie zerschmettert

Als kaum er wusste was geschieht



Der Beduine schaut ihn an

Ein seltsam Zug auf dem Gesichte

„Vielleicht kann dir Erkenntnis bringen

Die folgende Geschichte

Vor langer Zeit, wohl hundert Jahre

Kam schon ein Mann gleich dir hierher

Meines Vaters Vater fand ihn

Wie du auch, lebte kaum noch er

Trotz aller unser guten Pflege

War einer Krankheit er erlegen

Unheilbar, konnte nicht genesen

ging auf schattenhaften Wegen

Ein heißes Feuer zehrt stetig

Ihn heftig brennend restlos auf

Und niemand, selbst die größtes Weisen

konnten stoppen den Verlauf

Und in seinen letzten tagen

Rief seinen Retter er zu sich

Wollt von etwas ihm berichten

Bevor er schließlich dann verblichene

Er sprach davon, warum man ihn

Alleine in der Wüste fand

Dem Tode näher als dem Leben

Fern von seinem Heimatland

Auf der Flucht war er, vor seiner Liebe

Sein Herz zerbrach, als sie geraubt

Von einem Prinzen, der sie liebte

Jedoch sie nicht, wie er geglaubt

Glücklich sind die zwei gewesen

Bis das der Vater ihr befahl

Mit dem Königssohn zu ziehen

Und scheinbar endlos war die Zahl

Der Tränen, die beim Abschied flossen

Doch sinnlos waren sie vergossen

Denn was geschehn war, war geschehn

Und hilflos musste er ansehn

Wie alles, was sein Leben war

Für ewig von ihm ward genommen

Und er starb in seinem Herzen

Denn niemals mehr konnt er bekommen

Was seine Sonne, was sein Licht

Doch er konnt vergessen nicht

Und getrieben von den Stimmen

Die Nacht für Nacht ihn endlos riefen

Ward er still und stets verschlossen

Sank in immerdunkle Tiefen

Floh von dem Ort an dem sein Glück

SSein Anfang und sein Ende nahm

Ziellos irrte er auf Wegen

Bis er in unsre Gegend kam



Er gab dem Vater meines Vaters

Ein kleines goldnes Amulett

Mit einem Bild von jenem Weibe

so lag er auf dem Totenbett

und verschied in jener Nacht

Von seiner Liebe umgebracht

Das Medaillon , das er ihm gab

BBevor er sank ins ew'ge Grab

War seinem Retter manches wert

Denn jene Frau, die er verehrt

war wahrhaft schön und er verstand

Was der Arme an ihr fand



Ich weiß nicht, ob es Schicksal ist

Das dich dein Weg zu mir geführt

Doch hat dein Leid und deine Klagen

Mein Herz in großem Maß berührt

Sieh das Bild und sage mir

Ist sie es, die starb vor dir ?

Bist du der Prinz, der sie geliebt

Und mit sich hat genommen

Deine Suche ist zu Ende

An dein Ziel bist du gekommen

Mir scheint es, das dein Weib der gleichen

Schlimmen Krankheit war verfallen

Der unerfüllten, sinnlos Liebesglück

Wenn Stimmen durch den Geiste hallen

Und quälen, stechen und verbrennen

was wir als Mut zum Leben kennen“



Während er die Worte spricht

Wird fahl des Königssohns Gesicht

Als er im Medaillon erblickt

Das Bildnis der geliebten Frau

Und schmerzhaft wird er sich bewusst

Weiß plötzlich sicher und genau

Das er trägt die größte Schuld

Als er die Liebenden zerrissen

Er liebte sie doch selbst so sehr

Wie konnte denn er selbst auch wissen

Das sie dasselbe auch empfand

Wenngleich auch nicht für ihn

Soviel Leid und Tod für Nichts

Hat seine Liebe eingebracht

Von Schuld und Schmerz zutiefst geplagt

Auch sein Geist versinkt in Nacht



Mit stockend Stimme dankt er dann

dem edlen Beduinen

Doch will jetzt nur alleine sein

und schnell hinfort von ihnen

Sein Sinnen wird auch wohl verstanden

Und ihm der schnellste Weg genannt

Zu nahgelegnen Hafenstadt

Die weit im Lande ist bekannt

Als letzte Gabe wird ihm dann

Ein Rappenhengst geliehen

Der bis zu Stadt wird hin ihn tragen

Und dann alleine ziehen

Finden wird den Weg zurück



So scheiden sie dann voneinander

Und der Prinz sprengt schnell hinfort

Doch nicht zur Stadt, wenngleich zur Küste

Sucht er doch einen andren Ort

Kaum zwei Tage geht sein Ritt

Da sieht er in der Ferne

Das blaue, endlosweite Meer

Das er einst mocht so gerne

Doch heute des Prinzen Sinnen

Nicht nach der Majestät Genuss

Zu tief, zu schwarz sind die Gedanken

Er spürt, das er vergessen muss



Er reitet zu den steilen klippen

Und gibt das edle Tier dann frei

Es jagt davon. Als würde es ahnen

Das es nicht gerne Zeuge sei

Von dem, was nun geschehen soll

Der Prinz erklimmt die steilen Hänge

Und sieht hinab aufs blaue Meer

Die tosend, schäumend wilden Wogen

Scheinen ihn zu rufen sehr

Scheinen Frieden zu versprechen

Vor weitrer, lebenslanger Qual

Rufen ihn in ihre Arme

In ein tiefes Wellental

Schweigend steht er auf der Höhe

Blickt schmerzgepeinigt dort hinabgeeilt

Und ohne Wort lässt er sich fallen

In das nasse, kalte Grab

Die Fluten öffnen sich vor ihm

Verschlingen ihn und seinen Schmerzhaft

Nicht weiter wird ihn jetzt noch quälen

Sein trauernd, schuldbewusstes Herz

Vorbei ist alles, alles Leid

Vereinigt ist er nun im Tod

Mit seiner Frau und der Gefährtin

Die er führte in die Not



Seine Liebe war Verhängnis

Schlimmer als der ärgste Hass

Doch auch sie ist nun vergangenen

Im kalten, tiefen, wilden Nass



-ENDE-

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