V.
WÜSTENSAND
Langsam dämmert licht es auf
In des Prinzens schlafend Geist
Das Schicksal, einmal wie so oft
Ihm heute ein Gunst erweist
So liegt er dann an fremden Landen
So weit er blickt nur Wüstenland
Sand, Sand soweit die Augen schauen
Ein scheinbar endlos langer Strand
Doch ward er nur allein gerettet ?
Das Mädchen und der Kapitän !
So macht er sich denn auf die Suche
Nach Überlebenden zu sehn
Er wandert ziellos an der Küste
Ohne wahres Ziel
Seine Hoffnung schwindet stetig
Gibt auf die Rettung nicht mehr viel
Da sieht er, im Sand des Ufers
Das Mädchen reglos ausgestreckt
Kein Zeichen zeugt von Geist und Leben
Was schlimme Ahnung in ihm weckt
Er eilt zu ihr und setzt sich nieder
Befühlt die wassernassen Glieder
Sucht sie durch Reden zu erwecken
Doch kann damit nichts bezwecken
Er fühlt den Puls, ob er zu spürn
Kann doch dies zu Aufschluss führn
Ja, ein flimmernd Flackern ist
verblieben
Und auch ihr Atem, wenn auch schwach
Ist noch stetig, kleine Wunden
Was sie trägt dem Sturme nach
So trägt er sie hinauf den Strand
legt sie in den warmen Sand
Nur das ihr Leben wiederkehr
Ist momentan sein höchst Begehr
So wacht er denn den ganzen Tag
Ob sie sich denn besinnen mag
Und endlich, nach so langem Warten
Bewegt sie sich, die lang lag still
Der Prinz springt auf und hin zu ihr
Preisend seines Gottes Will
Langsam lichten sich die Nebel
In die ihr Geist fast ward gefangen
Viel zu nah an Gottes Pforte
Sind ihre Wege schon gegangen
Und sie öffnet ihre Augen
Geblendet sie vom grellen Licht
Das sie beide überlebten
Der Prinz kann’s scheinbar fassen
nicht
Doch hat er nicht die Not vergessen
In die sie nun geraten sind
Durch der Piraten Rachegruß
Und ihren mächt’gen Zauberwind
Dies ist das Land von dem sie sprachen
Er und der Kapitän
Wie berichtet Sand um Sand
Und nirgendwo ein End zu sehn
Doch weiß er das nicht allzu weit
Vier Tagesmärsche wohl entfernt
Ein paar Nomadenstämme leben
Die Hilf und Wasser würden geben
So ziehen sie denn wieder fort
Beraubt von Hab und Gut
Gerettet nur das nackte Leben
Vor des Sturmes tobend Wut
Die Sonne brennt auf ihrer Haut
Wüstenland wohin man schaut
Es weht ein leichter, warmer Wind
Der ihre Spur verwischt geschwind
Der Prinz ist sich indes bewusst
Das Hoffnung kaum verblieben
Verloren scheint wen ohne Wasser
In die Wüste hat’s vertrieben
In dieser wilden Einsamkeit
In diesem Meer von heißem Sand
Schreiten tapfer Prinz und Mädchen
Durch der Sonne glühend Brand
Schweiß schmückt glitzernd ihre Haut
Und schon nach Wasser sie verlangen
Doch dürfen, können sie nicht trinken
Da grade erst ein Tag vergangen
So vergehen still die Stunden
Bis das die Sonne fast verschwunden
Und der Mond bald hell erstrahlt
Im fahlen Licht die Wüste malt
Sie schlagen auch in einer Senke
Sodann ihr nächt’ges Lager auf
Am Horizont versinkt die Sonne
In ihrem steten Himmelslauf
Rot und gelbe Feuerlanzen
Lassen mystisch Lichter tanzen
Von fremder Welt erscheint das Land
Ein Schauspiel, bisher unbekannt
Doch als auch dieses dann erlischt
Trifft Kälte sie fast wie ein Schlag
Erinnert sie an ihre Lage
Und das vergangen ist der Tag
Eng an eng, sich Wärme spendend
Schlafen sie erschöpft bald ein
In Träume sind sie schnell entflohen
Unter Mondeslichteschein
Sand und Staub weht schmeichelnd um sie
Hüllt sie ein und deckt sie zu
Ein leichter Wind durchstreift die
Senke
Findet sie in tiefer Ruh
Als der nächste Morgen kommt
Kann man fast nur noch Sand erspähn
Am Platze, wo die beiden lagen
Wo man konnt sie schlafen sehn
Ein feines Tuch hat sie bedeckt
Sich über ihnen ausgestreckt
Doch schnell befrein sie sich von ihm
Und teiln ihr letztes Wasser auf
Nun liegt’s nicht mehr in ihren
Händen
Der Geschichte weitrer Lauf
Wieder wandern, fast schon schwanken
Die beiden durch das Wüstenmeer
Sengend heiß die Sonnenstrahlen
Sprechen können sie nicht mehr
Sand brennt stechend in den Augen
Trübt den schon geschwächten Blick
Nur ihr Wille lässt sie laufen
Lässt sie ertragen ihr Geschick
Da glauben, scheinen sie zu sehn
Wonach sie ohne Pause flehn
Ein paar Palmen still verkünden
Das Wasser sie hier werden finden
Berauscht von dieser neuen Hoffnung
Suchen sie schnell zu erreichen
Diesen Ort mit labend Nasse
Wo ihr Durst wird endlich weichen
Doch als sie schließlich angelangen
Sehen sie, das sie verfangen
Das sie erlagen der Vision
Denn nirgendwo ist hier der Lohn
Ein Bild, nur eine Fantasie
Eine Spiegelung der Luft
Immer nur noch feiner Sand
Anstatt der Pflanzen frischer Duft
Doch muss ihr Weg sie weiter führen
Solange sie noch Leben spüren
Ist ihre Hoffnung nicht verloren
Die aus Verzweiflung ward geboren
Stund um Stund vergeht
Die Zeit streicht still vorbei
Unter glühend Sonnenstrahlen
Scheint die Suche nun vorbei
Wankend, torkelnd ihre Schritte
Zwei kleine Punkte in einem Meer aus
Sand
Klein, allein, wahrhaft verloren
In diesem wüsten, leerem Land
Da rutscht die Maid im Sande aus
Und stürzt die Dünung schnell herab
Und dieser Fall scheint fast ihr
letzter
Denn schon wartet hier ihr Grab
Der Sand unter ihren Füssen
Verschwimmt und kann sie niemals tragen
Auf diesem sehr gefährlich Grund
Kann sie es nicht mehr wagen
Sich zu regen, zu bewegen
Versucht sich reglos hinzulegen
Doch stetig versinkt sie immer weiter
Schon ist zur Hälfte sie verschwunden
Der Prinz ist längst hinabgeeilt
Doch hat Rat noch nicht gefunden
Er kann nicht, schafft nicht zu
erreichen
Ihre Hand, die ausgestreckt
Unerbittlich sinkt sie tiefer
Und keine Hilfe er entdeckt
Er muss hilflos mit ansehn
Wie der Sand sie denn verschlingt
Sie verschluckt und still vertilgt
Ihr ein qualvoll Ende bringt
Sie sieht ein allerletztes Mal
In des Prinzens Augen
So schnell kommt also schon ihr Ende
Die Freiheit scheint ihr nichts zu
taugen
Sie sieht das rettungslos sie ist
verlorn
Und schweigt, wartet auf den Tod
Vielleicht, so kommt ihr der Gedanke
Errettet sie ihn aus der Not
Die ohne Wasser sie erwartet
Zeit scheint endlos sich zu dehnen
Beide nach dem Leben sehnen
Das sich still von dannen schleicht
In dem sie beide nicht erreicht
Was ihr größter Wunsch, ihr Ziel
Geblieben wirklich nicht mehr viel
Und schon schließt des Sandes Decke
Nichts zeugt mehr, was hier geschah
Keine Spur mehr von dem Mädchen
Nichts erinnert, was er sah
Der Prinz der nun alleine kauernd
Hoffnungslos im Sande liegt
Scheint seinen Lebenshauch zu sehen
Der stetig schneller ihm entflieht
Er schließt die Augen will nun
schlafen
All die Not und Tod vergessen
Will nicht länger mit dem Schicksal
Sich im grausam Zweikampf messen
Hat sich ergeben, ist geschlagen
Und sein Mut scheint nun besiegt
Zu schwach, zu müde seine Glieder
Um weiter wieder fort zu gehn
Den letzten Mut hat ihm geraubt
Was grad er musste hilflos sehn
Der Sand fliegt auf und deckt ihn zu
Wispert still von ew’ger Ruh
Und heiß die Sonne brennt herab
Auf das wüste, staubig Grab
Und durch die Lüfte kreisen lauernd,
Geier, spähend, wo er kauert
Da fällt ein Schatten auf die Düne
Und kühl umfängts den jungen Mann
Er wagt es kaum, die Aug zu öffnen
Zu schaun, was Hoffnung bringen kann
Ein Späher von den Beduinen
die stolz und keinem König dienen
Gekleidet ganz in weißes Tuch
Das Gesicht zum Schutz bedeckt
Und funkelnd, glänzend in der Sonne
Ein Schwert in seinem Gürtel steckt
So steht er auf der Düne Kamm
Und schaut zum Königssohn herab
Und eilt zu ihm und gibt ihm Wasser
Bewahrt ihn vor dem Wüstengrab
Gierig labt der Prinz sich nun
An dem gebotnen Nass
Es scheint als ob er seine Rettung
Noch immer gar nicht wirklich fass
Sein Retter hilft ihm schließlich auf
und führt, nein trägt gar fast ihn
fort
Zu seinem Pferd, auf das es bringe
Sie fort von diesem Unglücksort
Sie reiten wohl noch zwei, drei Stunden
Durch der Wüste heißen Sand
Da zeigt am Horizont sich endlich
Begrüntes und belebtes Land
Als der Prinz das Dorf des Spähers
In der Ferne vor sich sieht
Erneut umfängt ihn schwarzer Schatten
und sein Geist ihm schnell entflieht
Als er endlich, Stunden später
Die Augenlider hebt
Liegt er in einer kleinen Hütte
In der sein Retter scheinbar lebt
Vor sich sieht er Speis und Trank
Und nimmt die Gabe gerne an
Es ist als ob an schönres Mahl
Er niemals sich erinnern kann
Gesättigt schläft er wieder ein
Vergangne Mühen sind nun fern
Flieht in Schlaf er nur zu gern
Tief und traumlos ist sein Ruhen
Wohl zwei Tage schläft er fest
Bis das sein Retter ihn dann
schließlich
Von seinem Weibe wecken lässt
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