Mittwoch, 14. Oktober 2015

Poem - Ein Märchen Kapitel 1 - Liebesleid

Kurzes Vorwort

Dieses Märchengedicht verfasste ich im Herbst 1999 in einem
wahren Schreibrausch innerhalb kürzester Zeit.
In dieser Lebensphase war ich - gelinde gesagt - leicht depressiv, eine Stimmung, 
die sich natürlich deutlich in den folgenden Zeilen wiederspiegelt.
Als ich vor kurzem jedoch beim Sortieren wiedereinmal darüber stolperte und ins Lesen kam, 
musste ich mir eingestehen, das ich den Geist der Melancholie den es atmet, noch immer als berührend empfinde. So kam es zu der Entscheidung, es zum Einen hier in die Öffentlichkeit zu stellen und mich zum Anderen an die Vertonung des Ganzen zu setzen - diese werde ich später den Kapiteln hinzufügen. Wer immer auch es wagt all diese Zeilen zu lesen ;) - viel Spaß!
Aber sei gewarnt - die Erstleserin rührte es zu Tränen - aber wir waren auch noch jung :)


I.LIEBESLEID

Noch liegt das Land im Bann des Winters
Wo Sterne prangen hell am wolkenlosen Himmelszelt
Wo Nacht des Herrschers Zepter führt
Und im Schlafe liegt die Welt
Wo Feuer prasseln in Kaminen
Wo Frost die Fenster nachts beschlägt
Und wo der Wölfe wildes Heulen
Der Wind weit übers Land hin trägt

Der Mond steht voll am Sternenhimmel
Und taucht das Dorf in fahles Licht
Doch sieht kein Leben, hört kein Raunen
Denn alles schläft und keiner spricht
Doch als er dann in Sturmesfluten
Entschwindet, kommt der Sonne Brand
Und zeigt in flammenrotem Glanze
Den morgendlichen Meeresstrand
Und sieht im Schein des neuen Tages
Ein jugendliches Liebesglück
Nur sind die Strahlen nicht willkommen
Sie wünschten sich die Nacht zurück
Doch kann das Rad der Zeit nicht halten
Wo unverstandne Kräfte walten
Und wenn auch heiß das Feuer brennt
Standesdünkel oftmals trennt
So auch diese junge Liebe
Sie den Luxus, er die Hiebe
So bleibt denn nur der Nächte Mantel
Zum verbot’nen Rendevous
Denn unter ihren schwarzen Schwingen
Schaun nur die stillen Sterne zu

Doch viel zu kurz sind schöne Stunden
Viel zu schnell sind sie entschwunden
Sind vergangen und vorbei
Geblieben nur die Träumerei
Und heißt es nicht in alten Liedern
Dass Träume oft aus Schaum gemacht
So war auch dies ein Schloss aus Wolken
Und heut die letzte schöne Nacht

Denn ein Prinz aus fernen Landen
Sah die Maid im Junilicht
Und wenn auch schon viel Zeit verstrichen
Er schafft sie zu vergessen nicht
So trifft's sich dann jenem Tage
Das der Prinz auf Werbungsritt
Und am Ende seiner Reise
Vor des Mädchens Vater tritt

Und kniend vor des Alten Füße
Entbietet er ihm seine Grüße
Der Alte fragt nach dem Begehr
Nach dem Wohin und dem Woher
Und insbesondre wer er sei
Doch hält er ihm die Türe frei

Der Prinz nennt alle seine Güter
Erklärt das er der nächste Hüter
Der Krone seines Landes wäre
Und ihn sein Volk wahrhaft verehre
Und wär’s kein Wunsch, mehr eine Bitte
„Der Wunsch, zu sein in Eurer Mitte
seit ich Eure Tochter sah.
So bitt ich Euch in fremdem Land
Um dieser schönsten Blume Hand“
Der Alte freut sich ob der Wende
Schüttelt schnell des Prinzen Hände
Und nennt denselben Schwiegersohn
Dies sei „des Vaters höchster Lohn“
Nun denn, die Würfel sind gefallen
Wenn auch die Tochter nicht erfreut
Und den schnellen Schritt des Vaters
Mit gebrochnem Herzen reut
Doch lässt er sich durch nichts erweichen
Der starre alte Patriarch
Und als sie Gut und Hof verlassen
Winkt er ihnen freudig nach

Doch wie die Blume einstmals blühte
So siecht sie nun in Trauer hin
Welkt und verdorrt in Windeseile
Sieht nirgendwo mehr einen Sinn
Und Weise aus dem ganzen Lande
Suchen nach der Krankheit Grund
Doch können sie das Leid nicht lindern
Und näher rückt die letzte Stund
Ratlos all die klugen Leute
Hilflos hier im Jetzt und Heute
Denn niemals bricht die Maid ihr Schweigen
Will lieber sich vorm Tod verneigen
So sitzt der Prinz an ihrem Bette
Vergebens hoffend das errette
Ein Wunder seines Lebens Liebe
Doch längst verdorrt sind alle Triebe
Und ihr schon lang gebrochnes Herz
Schenkt ihr unheilbaren Schmerz
So senken sich denn graue Schatten
Auf der Sterbend weiche Matten
Und einstmals leuchtend Augen brechen
So sich Lieb und Sehnsucht rächen

Die tote Hand an seinen Lippen
Tränen falln auf kalte Haut
Und im Wahne der Verzweiflung
Küsst er die geliebte Braut
Er kann nicht glauben, will nicht fassen
Das sie ihn hat so früh verlassen
Ohne das er kennt den Grund
Niemals ward er je gesund
Und von ihrem Totenbette
Nimmt er eine goldne Kette
Von seiner Liebsten weißer Brust
Kniet vor ihr, das Haupt gesenkt
An seine Liebe er wohl denkt
Das Herz voll schwarzer Todeslust
Nun steht er auf, die Hand zum Schwur
Die Wände hörn die Worte nur
Denn er ist lang schon ganz allein
Nur Gott soll heut sein Zeuge sein

Und als der nächste Morgen graut
Wird im Schlosse Rufen laut
Denn im Schatten dieser Nacht
Hat er sich auf den Weg gemacht
Man findet lediglich ein Schreiben
„Nicht länger kann am Hof ich bleiben
denn mein Schwur treibt mich hinfort
zu mir unbekanntem Ort
Kann nicht ruhen, kann nicht rasten
Muss mich stellen allen Lasten
Die auf meiner Seele liegen
Noch kann ich kein Vergessen finden
Muss erst folgen allen Winden
Ganz egal wohin sie treiben
Kann solange nirgends bleiben
Als das ich weiß, warum sie starb
Und wäre es mein eignes Grab... “

Groß ist da des Königs Trauer
Über Nacht sein Haar wird weiß
Für die Liebe seines Sohnes
Zahlt er einen hohen Preis

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