VI.
DER KREIS SCHLIESST SICH
Endlich
wieder ganz bei Sinnen
Dankt
er dem Mann in höchstem Ton
Will
hundertfach es ihm vergelten
Und
fragt ihn nach gewünschtem Lohn
der
Beduinen allerdings
schüttelt
nur sein Haupt
Seine
Tat war selbstverständlich
Da
fest an seinen Gott er glaubt
Der
Nächstenliebe ihn gelehrt
Das
niemals er den Rücken kehrt
Dem,
der ist in bittrer Not
Und
hilflos , nahe schon dem Tod
Doch
fragt er ihn nach seinen Gründen
Die
in die Wüste ihn getrieben
Weiß
er denn nicht, wie viele Opfer
Schon
in ihren Fängen blieben
Der
Prinz berichtet von den Wegen
Die
er bis hier schon war gegangen
Erzählt
vom Grunde seiner Reise
Wie
von den Räubern er gefangen
Mit
Tränen in den grünen Augen
Spricht
er von der jungen Maid
Die
in ihren Tod gelaufen
Als
ahnungslos sie ihn befreit
Von
der Königin des Waldes
Und
ihrem funkelnd Märchenschloss
Von
ihrem Ritt nach Tir-Nagalo
Auf
dem geschenkten , stolzen Ross
Vom
Meer spricht er und ihrer Fahrt
Von
der Piraten wildem Lied
Von
dem Sturm der sie zerschmettert
Als
kaum er wusste was geschieht
Der Beduine schaut ihn an
Ein seltsam Zug auf dem Gesichte
„Vielleicht kann dir Erkenntnis
bringen
Die folgende Geschichte
Vor langer Zeit, wohl hundert Jahre
Kam schon ein Mann gleich dir hierher
Meines Vaters Vater fand ihn
Wie du auch, lebte kaum noch er
Trotz aller unser guten Pflege
War einer Krankheit er erlegen
Unheilbar, konnte nicht genesen
ging auf schattenhaften Wegen
Ein heißes Feuer zehrt stetig
Ihn heftig brennend restlos auf
Und niemand, selbst die größtes
Weisen
konnten stoppen den Verlauf
Und in seinen letzten tagen
Rief seinen Retter er zu sich
Wollt von etwas ihm berichten
Bevor er schließlich dann verblichene
Er sprach davon, warum man ihn
Alleine in der Wüste fand
Dem Tode näher als dem Leben
Fern von seinem Heimatland
Auf der Flucht war er, vor seiner Liebe
Sein Herz zerbrach, als sie geraubt
Von einem Prinzen, der sie liebte
Jedoch sie nicht, wie er geglaubt
Glücklich sind die zwei gewesen
Bis das der Vater ihr befahl
Mit dem Königssohn zu ziehen
Und scheinbar endlos war die Zahl
Der Tränen, die beim Abschied flossen
Doch sinnlos waren sie vergossen
Denn was geschehn war, war geschehn
Und hilflos musste er ansehn
Wie alles, was sein Leben war
Für ewig von ihm ward genommen
Und er starb in seinem Herzen
Denn niemals mehr konnt er bekommen
Was seine Sonne, was sein Licht
Doch er konnt vergessen nicht
Und getrieben von den Stimmen
Die Nacht für Nacht ihn endlos riefen
Ward er still und stets verschlossen
Sank in immerdunkle Tiefen
Floh von dem Ort an dem sein Glück
SSein Anfang und sein Ende nahm
Ziellos irrte er auf Wegen
Bis er in unsre Gegend kam
Er gab dem Vater meines Vaters
Ein kleines goldnes Amulett
Mit einem Bild von jenem Weibe
so lag er auf dem Totenbett
und verschied in jener Nacht
Von seiner Liebe umgebracht
Das Medaillon , das er ihm gab
BBevor er sank ins ew'ge Grab
War seinem Retter manches wert
Denn jene Frau, die er verehrt
war wahrhaft schön und er verstand
Was der Arme an ihr fand
Ich weiß nicht, ob es Schicksal ist
Das dich dein Weg zu mir geführt
Doch hat dein Leid und deine Klagen
Mein Herz in großem Maß berührt
Sieh das Bild und sage mir
Ist sie es, die starb vor dir ?
Bist du der Prinz, der sie geliebt
Und mit sich hat genommen
Deine Suche ist zu Ende
An dein Ziel bist du gekommen
Mir scheint es, das dein Weib der
gleichen
Schlimmen Krankheit war verfallen
Der unerfüllten, sinnlos Liebesglück
Wenn Stimmen durch den Geiste hallen
Und quälen, stechen und verbrennen
was wir als Mut zum Leben kennen“
Während er die Worte spricht
Wird fahl des Königssohns Gesicht
Als er im Medaillon erblickt
Das Bildnis der geliebten Frau
Und schmerzhaft wird er sich bewusst
Weiß plötzlich sicher und genau
Das er trägt die größte Schuld
Als er die Liebenden zerrissen
Er liebte sie doch selbst so sehr
Wie konnte
denn er selbst auch wissen
Das sie dasselbe auch empfand
Wenngleich auch nicht für ihn
Soviel Leid und Tod für Nichts
Hat seine Liebe eingebracht
Von Schuld und Schmerz zutiefst geplagt
Auch sein Geist versinkt in Nacht
Mit stockend Stimme dankt er dann
dem edlen Beduinen
Doch will jetzt nur alleine sein
und schnell hinfort von ihnen
Sein Sinnen wird auch wohl verstanden
Und ihm der schnellste Weg genannt
Zu nahgelegnen Hafenstadt
Die weit im Lande ist bekannt
Als letzte Gabe wird ihm dann
Ein Rappenhengst geliehen
Der bis zu Stadt wird hin ihn tragen
Und dann alleine ziehen
Finden wird den Weg zurück
So scheiden sie dann voneinander
Und der Prinz sprengt schnell hinfort
Doch nicht zur Stadt, wenngleich zur
Küste
Sucht er doch einen andren Ort
Kaum zwei Tage geht sein Ritt
Da sieht er in der Ferne
Das blaue, endlosweite Meer
Das er einst mocht so gerne
Doch heute des Prinzen Sinnen
Nicht nach der Majestät Genuss
Zu tief, zu schwarz sind die Gedanken
Er spürt, das er vergessen muss
Er reitet zu den steilen klippen
Und gibt das edle Tier dann frei
Es jagt davon. Als würde es ahnen
Das es nicht gerne Zeuge sei
Von dem, was nun geschehen soll
Der Prinz erklimmt die steilen Hänge
Und sieht hinab aufs blaue Meer
Die tosend, schäumend wilden Wogen
Scheinen ihn zu rufen sehr
Scheinen Frieden zu versprechen
Vor weitrer, lebenslanger Qual
Rufen ihn in ihre Arme
In ein tiefes Wellental
Schweigend steht er auf der Höhe
Blickt schmerzgepeinigt dort
hinabgeeilt
Und ohne Wort lässt er sich fallen
In das nasse, kalte Grab
Die Fluten öffnen sich vor ihm
Verschlingen ihn und seinen Schmerzhaft
Nicht weiter wird ihn jetzt noch quälen
Sein trauernd, schuldbewusstes Herz
Vorbei ist alles, alles Leid
Vereinigt ist er nun im Tod
Mit seiner Frau und der Gefährtin
Die er führte in die Not
Seine Liebe war Verhängnis
Schlimmer als der ärgste Hass
Doch auch sie ist nun vergangenen
Im kalten, tiefen, wilden Nass
-ENDE-