Mittwoch, 22. Juni 2011

Archiv 6: Über Reinkarnation

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Reinkarnation ?
 (Ein älterer Text, entstanden während meines Studiums.)


„Inkarnation“ bedeutet soviel wie „Fleischwerdung“ wobei eine wortgetreue Übersetzung von Re-Inkarnation wohl „Wieder-Verkörperung“ wäre. Anhand spezieller Fragen will ich nun versuchen, meine Interpretation dieses Wortes wiederzugeben.
Woraus leitet sich meine Annahme ab, das es solch ein Phänomen wie die Reinkarnation überhaupt gibt ?
Mein erstes Argument wäre der Hinweis auf analoges Verhalten der Natur. Unsere Welt existiert in Zyklen verschiedenster Größenverhältnisse, angefangen vom beständigen Ein & Ausatmen über Tag und Nacht bis hin zu den Jahreszeiten oder gar wiederkehrenden kosmischen Phänomenen. Da erscheint es mir als nicht unplausibel anzunehmen, das es dem Menschen bzw. der Seele ähnlich ergeht. Zudem lassen sich unter Annahme von einer Kette von Inkarnationen auch die Vielfalt der verschiedenen Meinungen sowie deren Wahrheitsansprüche recht gut verstehen. Dazu jedoch später mehr.
Der zweite wesentliche Punkt der für die Lehre der Wiederverkörperung spricht ist die Fülle an Berichten und Augenzeugen die sich zumeist auf meditative Weise bestätigt finden. Für den Wahrheitsgehalt spricht dabei vor allem die Häufigkeit und die Übereinstimmungen selbst bei vollkommen unterschiedlichen Kulturen.
Auch wenn man diese Meinung von logischen Gesichtspunkten aus angeht, spricht vieles für sie. Die Gerechtigkeit dieses Systems ergibt sich aus der Annahme, das jede Tat einen entsprechenden Ausgleich fordert. Die Verkörperung bietet nun die Möglichkeit diesen Ausgleich vorzunehmen. Wie dieser Ausgleich näher aussieht, darauf will ich später zurück kommen.
Ich denke, das ein Konsens der Menschheit ist, das es so etwas wie Ethik oder eine Moral gibt. Ausnahmen mögen hier die Regel bestätigen und auch in der Auslegung unterscheiden sich die Ansichten teils gravierend. Trotzdem geht der überwiegende Teil der Menschheit davon aus, das es so etwas wie Moral gibt, wenngleich jeder etwas anderes darunter verstehen kann.
Halten wir also fest, das der Mensch einen innewohnenden Moralbegriff hat, der ihm Richtlinien für sein Handeln aufzeigt und seine Ansicht eines „Guten“ Handelns begründet. Das Vorhandensein dieses Begriffs weist darauf hin, das etwas in uns davon ausgeht, das unsere Taten Folgen haben. Würden wir davon überzeugt sein, das unser Handeln keine dauerhaften Konsequenzen hätte, wäre ein solches moralisches Gewissen wohl kaum notwendig. Da sich nun nicht alle Konsequenzen immer innerhalb eines Lebens zeigen, scheint es nicht unlogisch zu folgern, das dieser Ausgleich in folgenden Verkörperungen stattfindet.
Zudem möchte ich noch auf den Energieerhaltungsatz hinweisen, der besagt, das Energie nicht verloren gehen kann, sondern stets nur umgewandelt wird. Wenn Seele & Geist als Form der Energie verstanden werden,so sind wohl auch hier eher Parallelen zur Reinkarnationslehre zu ziehen.
Ein Bild, das mein Verständnis der Entwicklung der Seele durch die Inkarnationen gut wiedergibt, ist die Vorstellung des wachsenden und wieder vergehenden Menschen. Der Mensch wird jung und unverbraucht geboren und ist zunächst ängstlich, gewinnt die neugewonnene Welt mit der Zeit lieb und verbringt seine Jugend in stürmischer Aktivität. Mit der Zeit besinnt er sich auf sein Innerstes und reift durch die Konfrontation mit seiner Vergänglichkeit zur Weisheit des Alters. Ich denke, das sich das gleiche Muster auch auf die Entwicklung der Seele projizieren läßt. Mit Beginn ihren Verkörperungen als Mensch ist die Seele noch unerfahren und ängstlich, unsicher ob ihrer eigenen Möglichkeiten und Beschränkungen. Vielleicht wählt sie deshalb nur eine kurze Inkarnation um sich nicht allzulange dem Unbekannten auszusetzen oder sie wählt ein Leben in größtmöglicher Abhängigkeit um die geliebte Nähe und Wärme nicht missen zu müssen. Die kindliche Seele ist erstaunt von den Möglichkeiten die sich ihr bieten und experimentiert und erforscht die Neuheit der Erfahrung. Die Jugend der Seele kennzeichnet sich wie auch die Jugend des Menschen durch vorwärts drängende Aktivität und Aufbegehren gegen das Bestehende. Die Phase der Jugend und des Erwachsenseins zeichnen sich durch ihre Ausrichtung ins Äußere aus. Die Reife und die Alte Seele widmen sich dann nur mehr der Aufgabe, sich mit ihrem Innenleben auseinander zusetzen in der Erkenntnis, das dies Grundbedingung jeglichen Glücks ist.
Wie nun ist mein genaues Verständnis des Ablaufes der Wiederverkörperung ?
Ausgehend davon, das ursprünglich alles vollkommen ist folgere ich, das alles auch wieder dorthin zurück strebt. Will nun ein unvollkommenes Wesen diesen Weg bestreiten , kann es das nur durch den Gewinn von Erfahrung und Verständnis aller Elemente des Alls. Um diese Erfahrungen machen zu können, braucht die Seele eine der Aufgabe angemessene Hülle. Nachdem die Seele vorherige Entwicklungsstufen durchlaufen hat (Mineral,Pflanze,Tier etc.) und sich bereit sieht für die Herausforderung Mensch, trifft sie verschiedene Entscheidungen.
Das System das ich im folgenden darzulegen versuche, fand ich im Buch „Archetypen der Seele“(V.Hasselmann/F.Schmolke) und es ist eine Beschreibungsversuch, den ich gerne aufgreifen möchte.
Es wird dabei davon ausgegangen, das jede Seele ein individuelles Muster aus 7 verschiedenen Elemente hat, die sogenannte Seelenmatrix. 2 Element darin sind festgelegt, die anderen 5 stellt sich die Seele entsprechend ihrer Aufgabe zusammen. Die beiden feststehenden Elemente sind zum einen das Seelenalter, das sich aus der Anzahl der Inkarnationen ergibt und die Seelenrolle, die die grundlegende Motivation & Zugehörigkeit zu einem von 7 Grundprinzipien wiederspiegelt.
Die Fünf anderen (hellgrau), frei wählbaren Elemente sind das Hauptmerkmal der Angst, das Ziel, der Modus, die Mentalität und das Zentrum. Nur kurz in Tabellenform die verschiedenen Matrixelemente.
Zahl
Seelenrolle
Hauptmerkmal
Ziel
Modus
Mentalität
Zentrum
1
Heiler
Selbstverleugnung
Verzögern
Zurückhaltung
Stoiker
emotional
2
Künstler
Selbstsabotage
Ablehnen
Vorsicht
Skeptiker
Intelektuell
3
Krieger
Märtyrertum
Unterordnen
Ausdauer
Zyniker
Sexuell
4
Gelehrter
Starrsinn
Stillstehen
Beobachtung
Pragmatiker
Instinktiv
5
Weiser
Gier
Akzeptieren
Macht
Idealist
Spirituell
6
Priester
Hochmut
Beschleunigen
Leidenschaftlichkeit
Spiritualist
Ekstatisch
7
König
Ungeduld
Herrschen
Aggressivität
Realist
Motorisch

Zahl
Seelenalter
Prinzip
1
Säugling-Seele
Inspiration
2
Kind-Seele
Expression
3
Junge Seele
Aktion
4
Reife Seele
Assimilation
5
Alte Seele
Expression
6
Transpersonale Seele
Inspiration
7
Transliminale Seele
Aktion

Entsprechend ihrer Aufgabe stellt sich die Seele ihre Ausgangssituation selbst zusammen und bestimmt ihr Vermögen genauso wie die Umstände ihrer Geburt oder ihr Elternhaus. Zudem ist sie sich über den groben Ablauf ihres Lebens schon vorher im Klaren und ist somit mit exakt allen Erfordernissen ausgerüstet, die eine erfolgreiche Bewältigung ihres Vorhabens bedarf.
Im Moment der Inkarnation, den ich spontan mit dem Moment der Befruchtung gleichsetzen würde, verliert die Seele jedoch die Erinnerung an ihre körperlose Existenz. Dies hat wohl vor allem zwei Gründe. Zum Einen will sie ja Erfahrungen machen, die ihr verwehrt bleiben würden, wenn sie um den Ausgang aller Geschehnisse wüsste. Zum Anderen würde es ihr ihre körperliche Existenz nur noch weiter erschweren, denn sowohl die Erinnerung an die Leichtigkeit der Körperlosigkeit als auch die Unvereinbarkeit von früheren Erinnerungen mit der jetzigen Existenzform würden sie in ihrer Entwicklung behindern. Dies heißt aber nicht, das wir vergangene Erfahrungen ganz missen müssen. Ich denke, hier bietet sich der Vergleich mit der Schulzeit an. Wenngleich kaum einer noch genau weiß, was man genau dort lernte, so hat es doch einen jeden reifen lassen uns sein Verständnis erhöht. Ähnlich verhält es sich wohl auch hier. Eine alte Seele wird aufgrund ihrer inneren Reife eine ganz andere Wahrnehmung von Situationen haben als eine Kindes oder Junge Seele und demnach auch in einem ganz anderen Rahmen von Möglichkeiten reagieren. Und was könnte uns das Wissen um die Rituale und Lebensgewohnheiten eines z.B. alttestamen- tarisches Hirtenvolkes bei der Bewältigung gegenwärtiger Aufgaben nützen ? Ich denke, das ein allzu großer Erinnerungshorizont in Anbetracht unserer Kurzlebigkeit eher verwirrend als klärend wäre.
Die Seele durchlebt dann in der gewählten Form den Zeitraum zwischen Geburt & Tod und stellt sich dabei den Aufgaben, die sie sich vorgenommen hat. Mit dem Tod löst sich die Seele wieder vom Körper und seinen Beschränkungen und erlangt somit auch wieder ein umfassenderes Wissen zurück. Im Zusammenhang mit seinen bisherigen Erfahrungen bewertet er sein vergangene Existenz und kann nun auch größere Zusammenhänge fassen und damit sein Verständnis erweitern.
An diese Stelle möchte ich auf etwas hinweisen, das der christlichen Himmels & Höllenvorstellung wohl recht nahe kommt. Wenn die Seele am Ende einer körperlichen Existenz sich ihrer materiellen Bande entledigt und im Zusammenhang ihre vergangenen Taten bewerten kann, wird sie sich dieser auch erst wahrhaft bewusst. Gesetzt der Fall eine Seele erkennt in dieser Phase ihr wahrhaft gotteslästerliches Leben. Da die Seele keine körperliche Aktionsplattform mehr hat, spielt sich jegliche Wahrnehmung im seelischen Bereich ab. Nun weiß ein jeder aus eigener Erfahrung, das die härteste Strafe nichts nützt, wenn der Sünder sein Fehlverhalten nicht einsieht. Und ebenso weiß ein jeder, das die härteste Strafe die Erkenntnis der eigenen Schuld ist. Als Mensch nun hat man vielleicht noch die Möglichkeit, dieses Empfinden durch Verdrängung zu betäuben, der Seele bietet sich jedoch keine Möglichkeit der Ablenkung mehr.
Die Erkenntnis über die Wahrhaftigkeit unseres Lebens erschafft uns Himmel & Hölle.
Wer versucht, ein guter Mensch zu sein , wird diese Phase als himmlischen Genuss empfinden
Wer stets seiner Angst nachgibt, wird diese Phase als Hölle zu fürchten haben.
Zum Abschluss noch ein paar Worte über die Schaffung von Karma („Tun“) und dessen Ausgleich.
Niemand ist davor gefeit, karmische Bande aufzubauen, nein, es ist sogar wesentlich für die Entwicklung der Seele. Jede Seele baut während der ersten Hälfte ihrer Inkarnationskette karmische Verbindungen auf, um sich dann in der zweiten Hälfte mit ihnen auseinander zusetzen und sie aufzulösen. Erst die Auslöschung jeglicher Verpflichtung ermöglicht die Befreiung aus dem Kreislauf der Wiederverkörperung. In dem Sinne wird der Ausgleich also stets in positiver Richtung vollzogen. Der Vorgang der karmischen Bindung & Auflösung könnte wohl wie folgt beschrieben werden. Zwei Seelen begegnen sich, wobei die eine die andere in ihren Entwicklungsmöglichkeiten vehement hemmt. Dies führt zum Bedarf nach Ausgleich, der sich durch eine Umkehr der Situation in späteren Inkarnationen einstellt. Als abschließender Akt gilt das Verzeihen bzw. das Verständnis für einander, welche den Ausgleich besiegelt.

Archiv 5: Über den Egoismus

Was ist Egoismus ?
(Ein älterer Text, entstanden während meines Studiums.)

Zunächst einmal gilt es zu untersuchen, was wir landläufig unter dem Begriff Egoismus verstehen. Das etymologische Wörterbuch des Dudenverlags verzeichnet unter Egoismus „Selbstsucht, Eigenliebe“ und unter Egoist „selbstsüchtiger Ichmensch“. Beide Wörter wurden im 18.Jh. Aus frz. égoîsme bzw. égoîste entlehnt und relatinisiert. Es sind gelehrte Neubildungen zu dem lateinischen Personalpronomen ego „ich“ das mit entsprechend dt. ich urverwandt ist.
Dazu das Adjektiv egoistisch „selbstsüchtig“ (18.Jh.). Als Bestimmungswort erscheint lat. Ego ferner in der gelehrten Zusammensetzung egozentrisch „ ichbefangen, ichbezogen, das eigene ich in den Mittelpunkt stellend“ .

In der theologischen Diskussion wird Egoismus oft als Synonym für die Abwendung von Gott durch Hinwendung zu sich selbst verstanden. Was sind nun Eigenschaften des Egoismus, also in welchen Formen zeigt er sich. Ich will versuchen, hier an Beispielen verschiedene Ausprägungen der Selbstsucht aufzuzeigen.
Man betrachte zunächst den Neid. Neid entsteht aus Angst vor Mangel. Wenn wir jemandem etwas neiden, dann betrachten wir das Geneidete als notwendig für unsere eigenes Glück. Wir haben Angst davor, das solange es uns an dem Gewünschten mangelt, wir nicht glücklich sein können. Aus dieser Angst entsteht das selbstsüchtige Streben das eigene Glück über das des anderen zu stellen.
Auch die Gier entsteht aus dem Motiv der Angst vor Mangel und läßt sich analog zum oben genannten Beispiel leicht als Ausdrucksform des Egoismus erkennen. Die Angst vor der Armut läßt das Streben nach Gütern entstehen, aus der Annahme heraus, das Reichtum & Glück untrennbar miteinander verknüpft sind.
Ähnliches zeigt sich sowohl beim Hochmut als auch beim Märtyrertum. Beides sind Ausdrucksformen der Angst vor Mangel, in diesem Falle vor Mangel an Liebe.
Der Hochmütige erhöht sich selbst in der Annahme, das dies notwendig sei um Liebe und Anerkennung zu erlangen. Der Märtyrer hingegen erniedrigt sich nur scheinbar. Denn durch seine Erniedrigung versucht er die Aufmerksamkeit und den Respekt seiner Mitmenschen zu erlangen, ausgehend von der Ansicht, das er sonst keine Liebe verdienen würde.
Die Liste ließe sich an dieser Stelle schier endlos fortsetzen, doch die Beispiele reichen, um zu illustrieren, das Ursprung des Egoismus in der Angst zu finden ist.

Der egoistische Mensch zweifelt an der Liebe Gottes. Er glaubt zu erkennen, das die Erringung seines Glückes durch bloßes Verharren in der Liebe und Hinwendung zum Inneren gefährdet ist und beschließt folglich, mit eigener Kraft für sein Glück zu sorgen. Er sieht die Probleme der Welt und kann nach Betrachtung dieser nicht weiter darauf vertrauen, das tatsächlich alles sinnvoll und gut ist. Er versucht darum alles um die Welt nach seinem Wunsch umzugestalten und besser zu machen. Sei es dadurch, das er angesichts der Armut der Welt alles daran setzt dieser zu entfliehen oder auch dadurch, das er die Sünden der Menschheit anprangert und alles zu ändern versucht.
Er wagt den Versuch, durch sein eigenes willentliches Handel sein höchstes Glück zu erreichen.

Das erste große Problem zeigt sich bei der Untersuchung des Begriffes des höchsten Glücks.
Alles was nur bedingt erreicht werden kann und wandelbar ist, ist vergänglich.
Ich besitze das Glück des Reichtums nur dann, wenn die Bedingung erfüllt ist, das ich Geld oder Besitz mein eigen nenne. Wenn die Bedingung nicht mehr erfüllt ist, was durch mannigfaltige Ursache geschehen kann und zudem spätestens mit dem Tod gegeben ist, geht mir dieses Glücksgefühl verloren.
Ich besitze das Glück der Familie nur dann, wenn die Bedingung erfüllt ist, das es meiner Familie und meinen Liebsten gut geht. Wenn die Bedingung nicht mehr erfüllt ist, durch Unfall, Krankheit oder wiederum durch das Ende der körperlichen Existenz, geht mir auch dieses Glücksgefühl verloren.
Darum ist alles was nur bedingt erreicht werden kann und wandelbar ist, vergänglich.
Darüber ist aber ein unbedingtes & unwandelbares Glück vorstellbar.
Damit meine ich die vollkommen Liebe.
Wer um der Liebe Willen liebt, erlangt unwandelbares Glück.
Der menschliche Geist hat die Fähigkeit, unbedingt zu lieben.
Kein Schicksalsschlag, keine Krankheit und selbst der Tod nicht können den Liebenden nicht von der Liebe trennen, auch Armut und Not vermögen sie nicht zu wandeln.
Die Liebe als Eigenschaft des Geistes (siehe Fragen über Geist & Seele) ist die Ausdrucksform des Vollkommenen. Diese ist nur im vollkommenen Geist und damit bei & durch Gott zu erlangen.
Da die Liebe nun das unwandelbare und damit höchste Glück ist, so ist es also nur bei Gott zu finden, da nur er die Eigenschaft der Unwandelbarkeit hat.

Der Egoismus als Selbsterhöhung sucht durch Abwendung von Gott und Hinwendung zu sich selbst nach unwandelbarem Glück, welches aber nur bei Gott zu finden sein kann.
In diesem Sinne ist der vollkommenste Egoismus aber die Liebe, aus der Erkenntnis heraus, das die nur die Liebe zum höchsten persönlichem Glück führen kann. Das was für Einen selbst das Beste ist, ist dabei aber zusätzlich auch das Beste für die Welt.

Vielfach wird der Egoismus mit dem Bösen gleichgesetzt. In diesem Sinne könnte man also davon sprechen, das die höchste Erfüllung des Bösen im Guten liegt.



Archiv 4: N.Cusanus - Unendliche Geometrie

In welcher Weise spiegelt die Geometrie die Welt ?
(Ein älterer Text, entstanden während meines Studiums.)


Ausgehend vom hermeneutischen Ebenenmodell („Wie oben, so unten“)will ich versuchen, anhand eines Beispieles, welches von Nicolaus Cusanus gegeben wurde, aufzuzeigen, inwiefern sich die Welt und auch Gott in der Geometrie spiegelt. Am Anfang stellt er folgende Behauptung auf.

„Gäbe es eine unendliche Linie, so wäre sie Gerade, Dreieck, Kreis und Kugel.
Ferner: Gäbe es eine unendliche Kugel, so wäre sie Kreis, Dreieck und Linie. Ebenso müsste die gleiche Aussage vom unendlichen Dreieck und dem unendlichen Kreis gemacht werden.“

Dabei ist diese Behauptung zunächst nur als Hypothese zu verstehen, die er im Folgenden zu begründen versucht.
Da wir über die oben genannten unendlichen geometrischen Objekte direkt nichts auszusagen vermögen, müssen wir versuchen uns dem Gemeinten mit endlichen Figuren anzunähern, um dann davon ausgehend gedanklich erfassen zu können, was ansich unsere Vorstellungskraft sprengt.
Die Vorgehensweise wird jene sein, das ich zunächst festzustellen suche,was sich über die einzelnen endlichen, also begrenzten Objekte aussagen lässt.
Habe ich dies getan, so ist der Bereich meiner Vorstellungskraft erschöpft.

Hier nun folgt als kurzer Einschub ein kurzer, aber ungemein wichtiger Gedankengang über die notwendigen Eigenschaften des Unendlichen.

Wenn wir von Unendlichkeit sprechen, so umschreiben wir damit etwas, was ohne Ende ist, demnach also keine Grenzen hat. Wenn sie keine Grenzen haben kann, so kann nichts außerhalb von ihr gedacht werden, da es sonst an sie grenzen würde, sie begrenzen würde und sie somit im wahrsten Sinne des Wortes auch beenden würde. Wäre also neben der Unendlichkeit etwas, wäre sie nicht unendlich, da sie etwas nicht umfassen würde. Demzufolge lassen sich zwei notwendige Eigenschaften der Unendlichkeit erkennen.
Zum Einen Unbegrenztheit und zum Anderen vollkommene Fülle.

Doch zurück zur Erklärung meiner Vorgehensweise.

Aufgrund der schon erwähnten Beschränktheit der Vorstellungskraft, gibt es nun Dinge,die wir uns nicht als inneres Bild zu imaginieren vermögen und welche im Bereich des Endlichen schier unmöglich sind.
Wenn nun aber das Unendliche auch die vollkommene Fülle ist, so folgt daraus, das was im Endlichen definitiv unmöglich, im Unendlichen unbedingt notwendig sein muss, denn wäre es es nicht, so wäre die vollkommene Fülle unvollkommen , denn es würde ihr etwas fehlen.

Wenn wir nun zwar schon nichts direkt über das Unendliche auszusagen vermögen, so können wir doch nunmehr aus dem, was wir in unserer Endlichkeit als unmöglich erkennen schließen, das dieses dann aber ein unbedingt notwendige Eigenschaft des Unendlichen sein muss.

Anhand dieses Schemas will ich nun versuchen, den Vorgang an den verschiedenen endlichen geometrischen Figuren nachzuvollziehen.

“ Gäbe es eine unendliche Linie, so wäre sie Gerade “

Wenn wir versuchen uns eine Linie vorzustellen, so geschieht dies immer in annähernder Weise durch die Vorstellung einer Strecke. Die unbegrenzte Linie ist für uns nur insofern zu erfassen, als das wir den Kreisumfang eines beliebigen Kreises als eine solche annehmen.
Vergrößern wir nun den Radius des Kreises, so wächst auch der Umfang. Solange wir nun den Radius vergrößern können, gelangen wir zu immer größeren Umfängen und doch niemals zum schlechthin größten, welcher dann ja auch die schlechthin größte, sprich unendliche Linie wäre.
Zweitens lässt sich jedoch auch beobachten, das bei zunehmendem Radius die Krümmung des Umfangs nachlässt. Daraus folgt dann natürlich, das bei unendlich großem Radius sicher auch eine unendlich geringe Umfangskrümmung anzunehmen ist.
Eine unendlich geringe Krümmung ist nun wohl zugleich gerade, womit bewiesen wäre,dass, gäbe es eine unendliche Linie, sie Gerade wäre.

“ Gäbe es eine unendliche Linie, so wäre sie Dreieck“

Nun gilt es aufzuzeigen, inwiefern sich gleiches im Falle des Dreiecks finden lässt.
Man stelle sich eine Linie AB vor. Diese ist in ihrer Dimension auf die Längenausdehnung beschränkt. Würden wir sie quasi in eine zweite Dimension entfalten, so wäre es möglich, die Linie AB um sich selbst zu drehen, wobei man A als Drehpunkt nutzen würde.
Dreht man sie nun um weniger als 180 Grad, so entsteht ein Dreieck mit den beiden Radien als Seiten a & b und einem Kreisbogenausschnitt als Seite c.Wenn wir an dieser Stelle versuchen, das Modell auf das Unendliche zu übertragen, so fällt auf, das der Kreisbogenausschnitt im Unendlichen zur Gerade wird.
Somit lässt sich sagen, das das unendliche Dreieck gewissermaßen die zweite dimensionale Potenz der unendlichen Linie. Gäbe es also eine unendliche Linie, so wäre sie Dreieck.

“ Gäbe es eine unendliche Linie, so wäre sie Kreis“

Analog zum vorherigen Modell verhält es sich hier. Dreht man AB um 360 Grad um A so entsteht ein Kreis, was im übertragenem Sinne die vollkommene zweite Potenz der Linie zeigt. Was wiederum den Schluss zulässt, dass, gäbe es eine unendliche Linie, sie unendlicher Kreis wäre.

“ Gäbe es eine unendliche Linie, so wäre sie Kugel“

Auf endlicher Ebene nehmen wir die Linie und drehen sie 180 Grad um A. Wir erhalten einen Halbkreis mit dem Durchmesser DB. Wenn wir diese Figur nun in die nächste Potenz entfalten, so kann man diese um die Drehachse DB 360 Grad herum drehen und erhält mit der Kugel die Entfaltung der Linie in drei Dimensionen.
Gäbe es also eine unendliche Linie, so wäre sie Kugel.

“ Gäbe es ein unendliches Dreieck, so wäre es Linie“

Wieder gilt es als erstes die Eigenschaften des endlichen Dreiecks, unseres Ausgangspunktes,
festzustellen. Ich denke von Belang wäre vor allem der Umstand, das ein Dreieck drei Seiten und Winkel haben muss.
Ebenfalls bedeutsam erscheint es, das die Seiten in einem Verhältnis zueinander stehen, welches aussagt, das die beiden Kleineren zusammen immer größer sein müssen als die Längere. Bei den Winkeln ist der Innenwinkelsatz zu nennen, welcher aussagt, das die Summe aller Winkel in einem Dreieck nie über 180 Grad sein kann. Als letztes wäre wohl noch wichtig zu beachten, das der Winkel ACB nie 180 Grad erreichen kann, da sonst das Dreieck zur Linie würde und kein endliches Dreieck mehr wäre.

Wie verhält es sich nun, wenn wir versuchen, dies auf das Unendliche zu übertragen ?
Aufgrund des oben erwähnten Seitenverhältnisses ist es notwendig, alle Seiten des Dreiecks als unendlich anzunehmen, sofern auch nur einer dieses Attribut zukommt.
Es kann aber nur ein Unendliches geben, wie schon aufgezeigt wurde, woraus folgt, das das unendliche Dreieck nicht aus drei unendlichen Seiten bestehen kann.
Da aber ein Dreieck immer drei Seiten haben muss, muss die eine Unendliche als drei in einer gedacht werden, um den Widerspruch zu beheben. Gleich verhält es sich mit den Winkeln.
Wenn wir den Winkel ACB vergrößern, stumpft das Dreieck ab.
Geben wir ihm die Größe von 180 Grad, so fallen beide Basiswinkel mit ihm zusammen und ebenso die beiden Schenkel mit der Basisseite.
Diese Figur erfüllt zwar die Voraussetzungen der Einheit von Winkel und Seite,Linie und Dreieck, ist im Endlichen aber natürlich definitiv unmöglich.
Wie zu Beginn aber ausgeführt wurde, ist das, was im Endlichen definitiv unmöglich ist, im Unendlichen unbedingt notwendig.
Daraus lässt sich nun wohl schließen, dass, gäbe es ein unendliches Dreieck, es Linie wäre.

“Gäbe es ein unendliches Dreieck, so wäre es Kreis“

In Beispiel 2 wurde gezeigt warum die unendliche Linie Dreieck wäre. Bleiben wir bei dem geschilderten Modell und stellen uns das unendliche Dreieck als aus den beiden unendlichen Radien und dem unendlichen Kreisbogenausschnitt B bestehend vor. Würde man, wie in Beispiel 3 die Drehung der Linie AB um A vollenden, bekäme man einen Kreis mit dem unendlichen Umfang U. Da es aber keine zwei Unendliche geben kann bzw. diese identisch sind, ist bewiesen, dass, gäbe es ein Dreieck , es Kreis wäre. Denn wenn B mit U identisch ist, so ist das Dreieck im Unendlichen Kreis, da ,wie gezeigt, die Radien im Unendlichen ebenfalls mit B zusammenfallen.

“Gäbe es ein unendliches Dreieck, so wäre es Kugel“

Wenn nun das unendliche Dreieck mit der unendlichen Linie zusammenfällt und es sich ebenso mit Linie und Kugel verhält, so kann man daraus erkennen, dass, wenn man das unendliche Dreieck in seiner vollen Dimensionalität entfaltet, man eine Kugel erhält.
Damit wäre gezeigt, dass, gäbe es ein unendliches Dreieck , es eine Kugel wäre.

“Gäbe es einen unendlichen Kreis, so wäre er Linie“

Wie im vorherigen Verlauf schon gezeigt, ist der unendliche Kreis jener mit der geringsten Krümmung, welche im Unendlichen so zur Gerade wird, womit bewiesen wäre, dass , gäbe es einen unendlichen Kreis, er Linie wäre.


“Gäbe es einen unendlichen Kreis, so wäre er Dreieck“
An Figur 2a wird deutlich, das wir die beiden Radien a & b benötigen um zunächst zusammen mit dem Kreisbogenausschnitt c (siehe 1.) ein Dreieck zu konstruieren.
denn nun aber, wie schon einmal gezeigt, der gesamte Kreisumfang U und der Kreisbogenausschnitt B identisch sind, da beide von unendlicher Natur, so fallen auch die Radien a & b zusammen. Damit wäre gezeigt, dass, gäbe es einen unendlichen Kreis, er Dreieck wäre.

“Gäbe es einen unendlichen Kreis, so wäre er Kugel“

Der unendliche Kreis ist wie gezeigt, die Linie in der 2ten Potenz ihrer räumlichen Entfaltung.
Wenn man sie nun noch um eine Dimension entfaltet und um ihren Durchmesser dreht, erhält man die Kugel als vollständige Entfaltung der Linie in 3ter Potenz.

“Gäbe es eine unendliche Kugel, so wäre sie Linie“
“Gäbe es eine unendlichen Kugel, so wäre sie Dreieck“
“Gäbe es eine unendlichen Kugel, so wäre sie Kreis“

Die letzten drei Transformationen lassen sich leicht durch das Bild erfassen, das von Bsp.13 an abwärts eine Einfaltung der Räumlichkeit vorgenommen wird.
Die Kugel ist der Kreis in der zweiten Dimension, das Dreieck in der Geradlinigkeit und die Linie in der einfachsten Entfaltung. Umgedreht wäre also die Linie sie selbst in erster, das Dreieck in zweiter, der Kreis in vollendeter zweiter sowie die Kugel in vollendeter dritter Potenz.
Damit wird gezeigt, das im Unendlichen alle nur denkbaren Formen zusammenfallen und voneinander nicht mehr trennbar sind.


Über Himmel und Hölle

Über Himmel und Hölle

Aufbauend auf 3 Kernsätzen meiner Philosophie will ich versuchen meinen Ansatz von Himmel und Hölle zu erläutern.

1.Gesetz der Resonanz
2.Reinkarnation
3.3-Ebenen-Modell

Kurz eine Zusammenfassung dieser drei Gedankenansätze.

Zu 1: Gesetz der Resonanz

Alles schwingt in eigener Frequenz, entsprechend der Nähe zum Prinzip der Liebe und Grenzenlosigkeit.
Je grenzenloser desto höher die Schwingung.

Zu 2: Reinkarnation

Um als unvollkommene Seele zurück zum Vollkommenen zu finden, bedarf es das Erleben aller möglichen Erfahrung.
Die Seele erlebt dabei von Stein über Mensch bis hin zu unbekannten Höhen immer komplexere Verkörperungen. In jeder Inkarnation stellt sich die Seele neue Aufgaben und sucht sich Körper und Lebenssituation entsprechend der erwählten Herausforderung.

Zu 3: 3-Ebenen-Modell

Alles hat Anteil an 3 Ebenen. Am Geist, an der Seele und am Körper.
Kurz gesagt bedarf dabei die Seele den Körper um Erfahrungen zu sammeln und wieder im Geist aufzugehen.
Die drei Ebenen unterscheiden sich wesenhaft in ihrem Existenzmodi.
Der Geist ist gegenwärtig/unveränderlich, sein Modus ist die Liebe.
Die Seele ist zeitgebunden/strebend, ihr Modus ist das Begehren.
Der Körper ist momentan erlebend/veränderlich, sein Modus ist die Lust.

Basierend auf diesen Kernsätzen nun meine Überlegungen zum Thema Himmel und Hölle.
Im Moment des Todes lösen sich Körper und Seele voneinander und die Seele verliert die physische Wahrnehmungsmöglichkeit.
Da sie der Organe des Körpers nunmehr verlustig ist, kann sie nur noch in ihrer eigenen Ebene und durch den Geist wahrnehmen.
Gleichzeitig erschließt sich ihr aber auch größeres Verständnis, da sie nach Wegfall der körperlichen Banden auch ihre Erinnerung an vergangene Inkarnationen und die Bewusstheit ihres Lebensplans wiedererlangt.
Ausgehend vom Gesetz der Resonanz stelle ich nun folgende Überlegung an.
Wenn die Gesamtheit der Schwingungen unser Gedanken, Gefühle und Taten
unsere individuelle Eigenschwingung ergibt, so ist auch die Schwingung unserer gesamten Inkarnation Ergebnis dessen.
Da die Seele nunmehr aber wie gesagt nur noch ihre eigene innere Wahrnehmung hat, nimmt sie sich quasi nur noch selbst wahr.
Je nachdem ob wir unser Leben mehr oder weniger liebevoll gestaltet haben erscheint uns auch unsere Existenz nach dem Tode mehr oder weniger liebevoll.
Eine weitere wichtige Konsequenz lässt sich aus einer alltäglichen Beobachtung ableiten – der Erkenntnis und Scham über die eigene Schuld.
Scham und Reue ob eines Fehlers können nur unter der Voraussetzung der Erkenntnis der eigenen Schuld gefühlt werden.
Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, das mich ein Fehler, den ich nicht selbst als Fehler erkenne, wenig schmerzt, ungeachtet der Hinweise oder Beschuldigungen meiner Umwelt.
Erkenne ich aber mein eigenes Fehlverhalten, so quält mich diese Erkenntnis weitaus mehr, unabhängig davon, ob sich meine Umwelt dieses Fehlers bewusst ist oder nicht.
Wie viel schwerer zu ertragen muss die Scham der Seele sein, die sich ihres „fehlerhaften“ Verhaltens bewusst wird !? Man stelle sich nur die unsagbaren Qualen vor, unausweichlich mit allen Konsequenzen seiner Taten konfrontiert zu werden ! Was wäre der Hölle näher als dies ? Welche körperliche Qual kann auch nur annähernd mit der seelischen Selbstgeißelung verglichen werden !?

Auf der anderen Seite birgt das Gesetz der Resonanz aber auch den Himmel in sich.
Jenseits von aller illusorischen Befriedung der Leidenschaft nach Ruhm, Macht und Geld liegt doch der tiefste Frieden in der Zufriedenheit mit sich selbst.
Wie in schon in dem Aufsatz über den Egoismus gezeigt, liegt dazu die höchste Befriedigung im Handeln nach der Maxime „Ich tue das Beste für mich, weil es auch das Beste für die Welt ist – Ich tue das Beste für die Welt, weil es auch das Beste für mich ist!“.
Liebevolles Handeln birgt in seiner Wirkung die heilsamste Entwicklung sowohl für sich als auch für die Umwelt. In der Liebe fallen Egoismus und Altruismus zusammen und werden eins.
Ein Inkarnation, die in ihrem Erleben von diesem Gefühl und Streben erfüllt ist, wird mit dem Wegfall ihrer körperlichen Fesseln eine „himmlische“ Wahrnehmung erfahren, verstärkt durch die Erkenntnis des größeren Zusammenhangs und des eigenen Pfads.

Nun ist aber wohl niemand ganz Heiliger oder Teufel.
Unter Einbeziehung des Resonanzgesetzes bestimmt die Gewichtung der positiven und negativen Schwingungen die Eigenfrequenz und somit die Wahrnehmung der post-mortalen Erkenntnisphase (Welch Wortschöpfung;)!).
Unser vorhergegangenes Leben in Verbindung mit unserem gewachsenem Verständnis bestimmt, wie wie die Phase zwischen unseren „Leben“erfahren, ob als Himmel oder Hölle.
Dabei ergibt sich aus dem Wegfall der körperlichen Begrenztheit eine weitere Konsequenz. Beschränkt auf ihre eigene innere Wahrnehmung, kann die Seele Zeit nur noch in der eigenen Veränderung erfahren, fehlt doch nunmehr die Umwelt als Maß und Grenze. So wird die Auseinandersetzung mit dem Erlebten unausweichlich erzwungen, kann die Seele doch ihrer Natur gemäß nicht anders als in der Veränderung existieren. *Anderseits fehlt aber durch den Wegfall der Körperlichkeit auch eine klar definierte Grenze zur nächsten Inkarnation. So erscheinen Himmel und Hölle im Moment des Erlebens als zeitloser Zustand.*
Solange die Seele jedoch noch nicht alle Erfahrungen gemacht hat, sucht sie neue Herausforderungen. Nachdem sie ihre letzte Verkörperung im Kontext ihres Lebensplans verstanden hat, begibt sie sich mit neuen Aufgaben auf die nächste Etappe.

Ich fühle mich mit diesem Ansatz sehr dem Prinzip des Karmas zugetan, im Sinne einer unbestechlichen Konsequenz.Und um es mit der Bibel zu sagen, bedarf es uns als Richter nicht, da jeder seine Schuld auf Heller und Pfennig zu bezahlen haben wird, gleich was wir auch tun.

Berlin 23.06.2011
Tom Hagemeister

*[...]* der Gedanke kam mir grad spontan, erscheint mir noch sehr vage

Generell gibt es einige Ungenauheiten. Entweder habe ich dazu an anderer Stelle schon geschrieben oder habe es noch vor. Ich kann leider nur einzelne Aspekte herausgreifen, da eine umfassende Darstellung den Rahmen sprengen würde.






Dienstag, 14. Juni 2011

Archiv 3: Der Zusammenfall der Gegensätze nach N.Cusanus

(Ein älterer Text, entstanden während meines Studiums.)

Was ist unter dem Zusammenfall der Gegensätze zu verstehen ? (Am Beispiel von Nicolaus Cusanus im Vergleich von absoluten Maximum und absoluten Minimum)

Gegenstand der Betrachtung sei das Gedankenexperiment des Cusanus, welches die Koinzidenz des absolut Größten mit dem absolut Kleinsten nachzuvollziehen sucht.
Untersuche man zunächst die Bedeutung oder Definition des maximitas absolute.
Jenes sei das absolute Größte, über das nichts Größeres hinaus gedacht werden kann.
Welche Folgerungen nun sind daraus abzusehen ?
Würde man es vergrößern, wäre es nichtmehr das Größte, da ein Größeres denkbar wäre, nämlich das Ergebnis der Erweiterung. Damit würde ein Bruch der Definition vorliegen und Ausgangspunkt aller weiteren Überlegung könnte nunmehr nur noch das neugewonnene maximitas absoluta sein, bei dem sich der selbe Vorgang ad infinitum würde fortsetzen lassen. Dies ist mehr als Erkenntnisvorgang zu verstehen, welcher das abstrakt-ideelle absolute Größte nur indirekt berührt. Festgehalten sei, das das maximitas absoluta aufgrund der ihm innewohnenden Eigenschaften nicht größer gedacht werden kann.
Wie nun ist es mit der Verminderung ?
Würde man das absolut Größte verkleinern, so wäre etwas denkbar, was größer wäre als das Gewonnene, nämlich der Ausgangspunkt unser Überlegung. Somit kann man auch hier sagen, das das maximitas absoluta nicht kleiner gedacht werden kann aufgrund der ihm innewohnenden Eigenschaften.

Folgerung: Das maximitas absoluta ist nicht vergrößerbar oder verkleinerbar.

Vergleiche man dies nun mit der Definition des minimum absoluta.
Jenes sei das absolut Kleinste, über das nichts Kleineres hinaus gedacht werden kann.
Wäre etwas kleineres denkbar, so wäre der Ausgangspunkt nicht der richtige gewesen (siehe oben)
Ein Größeres kann nicht gedacht werden, da ja der Ausgangspunkt existent ist.


Folgerung: Das minimum absoluta ist nicht vergrößerbar oder verkleinerbar.

Das maximitas absoluta ist nicht vergrößerbar oder verkleinerbar.
vgl.
Das minimum absoluta ist nicht vergrößerbar oder verkleinerbar.

Der Unterschied der Formulierung liegt nunmehr lediglich in der Eigenschaft der Groß/Klein-Relation.
Und da es ja eigentlich eine Eigenschaft des Absoluten ist, Relationen in sich aufzuheben, sei es gestattet, diese aus der Betrachtung zu entfernen.
Was bleibt ist der Ausdruck des Zusammenfalls.


Das absoluta ist nicht vergrößerbar oder verkleinerbar.
vgl.
Das absoluta ist nicht vergrößerbar oder verkleinerbar.

Das Absolute ist was es ist, einzig, unteilbar, ewig, absolut. Das gestattet die Schlussfolgerung, nach der die Ausdrücke des maximitas absoluta und des minima absoluta vielmehr als zwei Sichtweisen auf einen Umstand zu betrachten sind, welche aus verschiedenen Perspektiven die Einheit des Absoluten beleuchten.


Das absoluta ist nicht vergrößerbar oder verkleinerbar.






Archiv 2: Wozu dient das Gebet ?

 (Ein älterer Text, entstanden während meines Studiums)

Wozu dient das Gebet ?
 
Der Vorgang des Betens oder des Bittens in Form eines Gebets findet sich in fast allen Kulturen. Was nun aber geschieht bei diesem Vorgang und warum legen die verschiedensten Religionen so vehement Wert darauf, das die jeweils althergebrachten Rituale auch befolgt werden sollten ?
Da ich mich in den letzten Wochen intensiver mit diesem Thema auseinander gesetzt habe, möchte ich versuchen, das Erklärungsmuster darzustellen, welches ich im Moment als plausibelstes empfinde.
Ich gehe davon aus, das man jedes Element der Schöpfung als eine Schwingung oder Frequenz betrachten kann. Zumindestens im materiellen Bereich sehe ich mich bei dieser Meinung auch mit der Physik im Einklang, die diese Tatsache ja auch schon lange verkündet. Ich bin aber zusätzlich der Meinung, das auch unsere Gedanken als Bestandteil unserer Welt eine eigene Frequenz haben. Ich vertrete die Ansicht, das unsere Frequenz als individuelles menschliches Wesen in großem Maße von den Eigenfrequenzen unserer Gedanken abhängt. Denken wir viel negativ, so sinkt unsere Eigenfrequenz, denken wir umgedreht viel positiv , so steigt sie.
Da ich nun zusätzlich davon ausgehe, das es noch Wesenheiten höherer und niederer Dimension geben muss, stellt sich die Frage, inwiefern unsere Frequenz diese beeinflusst. Ich teile die Ansicht, das diese Engel und Dämonen, wie sie im christlichen Sprachgebrauch genannt werden, aufgrund ihrer Struktur diese Frequenz als Erkennungs & Kommunikationsmittel nutzen. Wesenheiten, welche körperlichen Banden ledig sind, können sich in ihrer Kommunikation nicht mehr auf physikalische Hilfsmittel stützen und müssen so fast zwangsläufig durch ihre Gedanken miteinander in Kontakt stehen. Wenn ich nun in der Bibel davon lese, das dem der bittet auch gegeben wird, so scheint mir folgende Vermutung nicht unplausibel. Aufgrund des Resonanzgesetzes (Gleiche Schwingungen ziehen sich an) zieht die Veränderung der Eigenfrequenz andere Wesen mit gleicher Frequenz an, wobei es sich dabei gut auch um andere Menschen oder auch nur Ereignisse handeln kann. Die meisten Gebete leben nun davon, das mit den Worten ein gewissen Gefühl verbunden werden soll. Ich will versuche, hier einmal meine Interpretation des Vater Unser niederzulegen.
Vater unser der du bist im Himmel Vollkommener Ursprung von Allem, der du bist in Ewigkeit
geheiligt werde dein Name durch dich , die Liebe, kommen wir zum Heil
dein Reich komme, dein Wille geschehe denn Liebe wird uns erlösen, darum vertrauen wir
wie im Himmel , so auf Erden denn Liebe ist dein Wille
Unser täglich Brot gib uns heute Gib uns bitte das, was wir zum Leben brauchen
und vergib uns unsere Schuld und vergib uns, wenn wir schwach sind
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern wie auch wir denen vergeben werden, die uns schmähen
Und führe uns nicht in Versuchung Und gib uns den Mut uns unseren Ängsten zu stellen
sondern erlöse uns von dem Übel und lass ans teilhaben an deiner Liebe
Denn Dein ist das Reich und die Kraft denn Du bist die Welt und die Liebe und das Glück
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen in Ewigkeit. Danke
Man kann erkennen, das die Wortwahl darauf ausgelegt ist positive Assoziationen zu erwecke. Das hat zur Auswirkung, das die Rezitation des Gebet von positiven Gedanken begleitet wird und so eine Wandlung der Eigenfrequenz zum Positiven bewirkt. Der Gedankeninhalt wird an die Wesenheiten übermittelt, die in gleicher Frequenz schwingen und somit quasi die richtige Sprache sprechen um die Bitte zu empfangen und zu beantworten. Wichtig erscheint mir noch ein Hinweis darauf, das vielfach Gebete mit positiver Absicht negativ formuliert werden und damit das gesamte Gebet unverständlich machen. Ich möchte zwei ganz dramatische Beispiele bringen. Zunächst einmal stelle man sich eine Mutter vor, deren Kind um sein Leben ringt und die ein Stoßgebet gen Himmel schickt mit dem Inhalt „Lieber Gott, bitte lass mein Kind nicht sterben“. Zum Einen durch die Situation und zum Anderen dadurch, das sie durch ihre Formulierung in sich ein Bild des sterbenden Kindes erzeugt verliert das Gebet jegliche Wirkung, weil der gewünschte Empfänger die Bitte gar nicht verstehen kann. Zunächst einmal erzeugt wie gesagt das assoziierte Bild eine negative Eigenfrequenz und ebenso die Verwendung der beiden negativ belasteten Begriffe „nicht“ & „sterben“.
Das zweite Beispiel scheitert ebenfalls in der Wortwahl. Wenn jemand darum bittet, etwas nicht zu verlieren , wie Geld oder Job so begeht er den gleichen Fehler wie im vorhergegangenen Fall.
Zu den Bedingungen, die ein gelungenes Gebet erfordert las ich folgende Anmerkungen, denen ich mich nur anschließen kann.

    1. positive Formulierungen (anstatt „nicht sterben“ -> „weiterleben“)
    2. keine Zeitbegriffe verwenden / gegenwärtig formulieren (da Geist gegenwärtig, hat er keinen Zeitbegriff)
    3. Formel „ Dein Wille geschehe, nicht der meine“ verwenden, um schädlichen Wünschen vorzubeugen
    4. Gebet als angenommen und erfüllt betrachten
    5. Danken
Zusammenfassend kann man also sagen, das es von der Art und Weise des Gebetes abhängt, ob dieses zum einen beim gewünschten Empfänger ankommt und zum anderen ob es von ihm verstanden wird. Witzigerweise ergibt sich aus dem vorangegangenen, das wir uns eigentlich zu jeder Zeit im Gebet befinden, nur stellt sich die Frage, wen wir bitten.
Als Folgerung, dich ich für meinen Alltag gezogen habe, versuche ich so viel Zeit wie möglich damit zu verbringen, mich mit der Liebe und meinen Ängsten auseinander zusetzen, in der Annahme, das dies meine Eigenfrequenz erhöht und mich damit soweit wie möglich vor negativen Einflüssen feit und mir zugleich Unterstützung der positiven Seite zusichert.
Was nun Formen des Gebets in anderen Religionen betrifft, so will ich nur kurz auf die buddhistisch-hinduistische Variante, die Meditation eingehen. Die von Buddha gepredigte Achtsamkeit ist meiner Auffassung nach nichts anderes als die von Jesus geforderte Liebe zu Gott und seinem Nächsten. Denn der, welcher etwas liebt, schenkt ihm höchste Achtsamkeit, welche Achtsamkeit könnte dann nun größer sein, als die desjenigen, welcher alles liebt ? Meditation ist die Liebe zum Augenblick und ist in dieser Form vollendetes Gebet. Denn derjenige, der meditiert, will Gott nicht nur um etwas bitten, nein man könnte fast sagen, er will ihn zum Gespräch auffordern, in dem Sinne, als das er mit ihm verschmilzt (gleiche Frequenz für längeren Zeitraum) und so an Ewigkeit teilhaben möchte. Die Mystik aller mir bekannten Religionen kennt solche Rituale, so das eine Beschränkung auf die asiatischen Glaubensformen eigentlich einen nur formelle ist, weil andere Kulturen lediglich andere Begriffe verwenden.

Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.
Wer ist unter euch Menschen, der seinem Sohn, wen er ihn bittet um Brot, einen Stein biete? Oder, wenn er ihn bittet um einen Fisch, eine Schlange biete? Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten“
Matthäus 7.7-11

Archiv 1: Das Theodizeeproblem nach Aurelius Augustinus

 (Ein älterer Text, entstanden während meines Studiums)

Warum gibt es Böses auf der Welt, wenn Gott doch gut ist

Diese Frage wird allgemein unter dem Begriff Theodizeeproblem behandelt. Ich durfte mich auf Grund eines Referats näher mit der Auffassung beschäftigen, die Aurelius Augustinus gegenüber dieser Problematik vertrat. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse will ich nun im Folgenden darzulegen versuchen.

Vielleicht zunächst kurz ein paar biographische Informationen, damit diese Ansicht besser in den zeitlichen Kontext einzuordnen ist. Aurelius Augustinus wurde am 13.11.354 im heutigen Souk Ahras in Algerien geboren, das damals Thagaste hieß und zu Numidien gehörte. Seine Schulzeit und sein Studium verbrachte er ebenfalls in Nordafrika, genauer in Thagaste, Madaura & Karthago. Nachdem er seine Ausbildung im Jahre 373 beendet hat, vergehen aber noch 18 Jahre, bis er sich 391 zum Priester weihen läßt und 395 gar Bischof von Hippo wird. Bei der Belagerung der Stadt durch die Vandalen stirbt Augustinus am 28.8.430.
Seine Auseinandersetzung mit dem Theodizeeproblem betreibt er u.a. in einem Text mit dem Titel „Der unselbstständige Charakter des Bösen“. Dieser Text wird auch die Grundlage sein, an der ich versuchen werde, seinen Gedankengang nachzuvollziehen.
Die von ihm als Voraussetzung gegebene Ansicht, das ein unwandelbares Gut existiert, welches der eine, wahre, selige Gott ist, muss als Grundlage für jede weitere Betrachtung gesehen werden. Was kann nun aus dieser Prämisse gefolgert werden ? Zum Einen spricht er davon, das jenes Gut unwandelbar und einzig ist. Das heißt, das Gott als gegenwärtig vorgestellt werden muss, da durch die Unwandelbarkeit jegliche Veränderung als Grundlage von Zeitlichkeit fehlt. Wenn es zudem einzig ist, ihm also jegliches Gegenüber fehlt, so ist er auch als vollkommen zu bezeichnen, denn wo nur eines ist, muss dieses Eine Alles sein. Wenn er Alles ist, so ist er auch immer absolute Wahrheit, da außer ihm nichts ist, was sonst Wahrheit sein könnte. Die Bezeichnung selig resultiert ebenfalls aus seiner Einzigartigkeit. Selig kann als „wohlgeartet, gut, glücklich, gesegnet,heilsam“ übersetzt werden. Wenn Gott als vollkommen angenommen wird, so kann ihm nichts fehlen. Wenn ihm nichts fehlt, so kann er auch nach nichts verlangen und empfindet jederzeit gegenwärtiges Glück, weil er ja alles jederzeit in sich birgt. In diesem Sinn ist Augustinus Aussage zu verstehen, das ein unwandelbares Gut existiere, welches der Eine, wahre, selige Gott sei.
Dieser eine, wahre & selige Gott erschafft die Schöpfung aus dem Nichts heraus. Aufgrund ihrer Schöpfung durch Gott ist diese wesenhaft gut, hat aber aufgrund ihres Anteils am Nichts die Eigenschaft wandelbar zu sein. Diese Wandelbarkeit ist unbedingt notwendig, denn sonst hätte die unvollkommene Schöpfung ja nie die Möglichkeit, sich zurück zur Vollkommenheit zu entwickeln. Dies ist dann auch der nächste Punkt, auf den Augustinus hinweist, wenn er davon spricht, das der Mensch die Möglichkeit hat, durch Hinwendung zu Gott an diesem Anteil zu nehmen und wieder seine Seligkeit zu erfahren. Aufgrund dieser Möglichkeit der Rückbesinnung ordnet Aurelius dem Menschen bzw. der Schöpfung eine hohe Wertigkeit zu, wenngleich diese doch immer unter Gott rangiert. An dieser Stelle verwendet er ein Bild, um die Hierarchie innerhalb der Schöpfung deutlich zu machen. Er vergleicht das Verhältnis der Augen zu allen anderen Organen mit dem Verhältnis des Menschen zum Rest der Schöpfung. So wie die Augen aufgrund ihrer Wahrnehmungsfähigkeit eine hohe Wichtigkeit innerhalb des menschlichen Körpers hat, so hat der Mensch aufgrund seines Bewusstseins eine wichtige Position in der Schöpfung. Nichtsdestotrotz könnten die Augen ohne die anderen Organe des Körpers ihre Aufgabe kaum erfüllen, so wie der Bewusstheit nichts nützt, wenn nichts da ist, was bewusst gemacht werden kann. Die Bewusstheit steht also in der Hierarchie zwar höher als Unbewusstheit, jedoch hat jegliches seinen Platz und sein Existenzrecht.
Gesetzt der Fall, jeder Mensch strebt nach vollkommenen Glück, so kann er dies nicht in der Wandelbarkeit erreichen, da die Wandlung auch eine Veränderung seines Glücksgefühls mit sich bringen würde. Dauerhaftes Glück kann also nur in der Unwandelbarkeit erreicht werden und diese ist nur bei Gott zu finden. Festzuhalten bleibt also, das die einzige Möglichkeit des Menschen unwandelbar glücklich zu sein, darin liegt, durch Anhangen an Gott an dessen Seligkeit teilzuhaben.
Wenn nun aber der Ursprung und das Ziel allen Strebens in Gott liegt, so verfällt derjenige, der sich von Gott abwendet, in ein Verhalten wider seiner Natur, denn es ist , so glaube ich, nicht plausibel, das es in der Natur des Menschen läge, unglücklich zu sein. Der Unterschied zwischen einer Gott zugewandten und einer Gott abgewandten Lebensweise liegt also darin, das die erstere versucht, Glück dadurch zu erlangen, das es im Einklang mit seiner Natur zu leben versucht, während der zweite durch Selbsterhöhung dieses Glück zu finden versucht, das ihm aber aufgrund seines naturwidrigen Verhaltens versperrt bleibt.
Aber die Diskrepanz zwischen dem Glück des Gottzugewandten und dem Unglück des Gott Leugnenden birgt in sich eine wichtige Erkenntnis. Erst durch die Tatsache, das durch die Selbstzugewandtheit des Menschen das unwandelbare Glück nicht zu erreichen ist, kann dieser wieder zurück zu Gott finden. Als interessantes Buch in diesem Zusammenhang kann ich nur Paulo Coelhos „ Der 7te Berg“ empfehlen, in dem dieses Motiv als Handlungsgrundlage verwendet wird. Das Erleben der Unbefriedigung durch das von Gott abgewandte Leben führt einen jeden schlussendlich zur Erkenntnis, das die gottzugewandte Lebensweise eindeutig vorzuziehen ist, da nur sie ein unwandelbares Glück verheißt. Der Kontrast betont also die hohe Wertigkeit der Zugewandtheit.
Daraus folgt aber auch, das eine Kritik an den Formen der Gottesleugnung, also an jeglichem Fehler, immer ursprünglich ein Lob der Natur darstellt. Wenn ich jemandem sein Fehlverhalten vorhalte, dann kann ich das nur, wenn ich einen Unterschied zwischen dem feststelle, was ich als sein natürliches Verhalten ansehe und dem, wie er sich mir gegenüber präsentiert. Eine Kritik ist immer ein Lob der Natur im Vergleich zum tadelnswerten momentanen Verhalten.
Als Zwischenfazit könnte man zusammenfassen, das der Grund allen Übels in der Trennung von Gott liegt, diese Trennung jedoch in sich den Keim der Rückbesinnung birgt.
Im folgenden Verlauf seiner Ausführungen widmet sich Augustinus den Fragen, zum Einen ob ein Absolutes Böses möglich ist und zum Anderen, worin denn nun der Grund der Fehlerhaftigkeit liegt.
Aurelius behauptet, das das absolut Gute möglich ist, während das absolut Böse nicht vorgestellt werden kann. Begründet sieht er dies in der Struktur des Bösen. Da das Böse eine Wegnahme oder Verminderung des Guten ist, kann es nur dann existieren, wenn da etwas ist, was gemindert und bekämpft werden kann. Mit anderen Worten könnte man das absolut Gute als vollkommene Bejahung, das absolut Böse im Vergleich dazu als Vollkommene Verneinung bezeichnen. Darum ist das Absolut Böse als alleinstehende Größe im Gegensatz zum Absolut Guten nicht vorstellbar.
Augustinus wählt in diesem Fall das Bild, das die böse Verderbtheit die gute Natur ummantelt. Wenn nun aus dem negativen Verhalten Konsequenzen resultieren, die als Strafe empfunden werden, so dienen sie doch der Bewusstwerdung der ursprünglichen guten Natur. Gottabgewandtes Verhalten ist ein Fehler und Fehler, die bewusste Wesen begehen sind stets Willensfehler, also Fehler, die nicht in der Natur, sondern im Willen beheimatet sind.
Er geht davon aus, das dem ersten Bösen Werk ein Böser Wille zu Grunde liegen muss. Dabei sucht er nach dem Auslöser dieses ersten Bösen Willens und forscht nach der Beschaffenheit dessen. Wenn dieser Ursprung einen guten Willen hat, so sagt er, das, da aus Gutem nichts Böses entstehen kann, ein unlösbarer Widerspruch entstehen würde, so das der Ursprung keinen Guten Willen haben kann. Wenn nun aber der Auslöser einen Bösen Willen hätte, so könnte es nicht als allein stehender Ursprung existieren, so das man wieder nach einem anderen Ursprung würde fragen müssen.
Dann fragt er dann nach, ob dann der Ursprung im Nichts oder in der ewigen Existenz liegen müsse. Er folgert, das er in der ewigen Existenz liegen müsse, denn läge er im Nichts, hätte er keine Existenz und somit auch keine Auswirkungen und könnte nicht Auslöser sein. Wenn er nun in der ewigen Existenz liegt, so fragt er weiter, sei der Wille dann einer Wesenheit zugehörig ? Augustinus meint, das er das tun müsse, denn würde er keiner Wesenheit zugehören, so wäre auch seine Existenz unmöglich. Wenn er nun einer Wesenheit zugehört, so muss es ein guter Wille sein, da ein Böser Wille nur existieren kann, wenn er etwas ursprünglich gutes mindern kann. Auf diese Weise findet man also keinen ersten Grund für das Böse, weil sich alles stets auf das Gute zurückführen lässt. Somit kann auf der Suche nach der ersten Ursache für alles Böse der Ursprung im Willen ausgeschlossen werden.
Wenn der Ursprung nun nicht im Willen gesucht werden kann, so versucht er sich seinem Ziel doch auf einem anderen Weg zu nähern. Wenn die erste Verderbnis von etwas Höherem als der verdorbenen guten Natur her stammt, so ist das widersprüchlich, denn etwas Höheres als das Gute ist Besser und damit immer noch gut und kann somit nicht Auslöser für etwas Böses gewesen sein. Etwas von gleicher Art kann es auch nicht gewesen sein, denn zwei gute Dinge könnten sich nicht gegeneinander verderben. Also kann die gute Natur erstmals nur durch etwas Niederes zum Bösen verdorben worden sein. Wenn dieses niedere Wesen jedoch Teil der Schöpfung wäre, so hätte es eine ursprünglich gute Natur und so wäre wiederum zu klären, wodurch dieses Verderben hervorgerufen worden wäre.
Wie also entsteht aus Gut Böse ?
Augustinus kommt zu dem Schluss, das der Ursprung dessen doch im Willen zu finden sei, aber in dem Sinne, das er die Abwendung vom Höheren und die Hinwendung zum Niederen ist. Nicht das Niedere ist das Böse, sondern die Hinwendung an sich. Der Böse Wille hat seinen Ursprung in der Schöpfung aus dem Nichts. Die Schöpfung durch Gott ermöglicht die Anteilnahme am vollkommenem Glück, die Schöpfung in das Nichts hinein bewirkt die Möglichkeit der Abwendung.