Mittwoch, 12. September 2012

Glaubensbekenntnis


All you need is love!

Samstag, 7. Juli 2012

Ein Rätsel


Ein Rätsel
(aus "Momo" von Michael Ende)

"Drei Brüder wohnen in einem Haus
die sehen wahrhaftig verschieden aus,
doch willst du sie unterscheiden,
gleicht jeder den anderen beiden.
Der erste ist nicht da, er kommt erst nach Haus,
der zweite ist nicht da, er ging schon hinaus.
Nur der Dritte ist da, der Kleinste der Drei
denn ohne ihn gäb's nicht die anderen zwei.
Und doch gibt's den dritten, um den es sich handelt
nur weil sich der erst' in den zweiten verwandelt.
Denn willst du ihn anschaun, so siehst du nur wieder
immer einen der anderen Brüder!
Nun sage mir: Sind die drei vielleicht einer?
Oder sind es nur zwei ? Oder ist es gar - einer?
Und kannst du, mein Kind, ihre Namen mir nennen,
so wirst du drei mächtige Herrscher erkennen.
Sie regieren gemeinsam ein großes Reich -
und sind es auch selbst ! Darin sind sie gleich."

Samstag, 30. Juni 2012

Gedanken über Zeit (Neubearbeitung)


Gedanken über Zeit (Neubearbeitung)
Berlin 30.06.2012

Gegenstand dieses Textes soll Zeit in ihren grundlegenden Facetten sein.
Ziel der Untersuchung ist die Bestimmung möglicher Grenzen und Abhängigkeiten im Bezug auf unsere Wahrnehmung.
Als Ausgangspunkt soll zunächst eine formale Analyse dienen, was Zeit eigentlich beschreibt.

Zeit erscheint mir als Maßstab oder besser Beschreibung von Veränderung.
Wandelt sich Zustand A in Zustand B um, so versteht unsere Wahrnehmung dieses nur, indem sie die Veränderung als zeitlichen Prozess, als Nacheinander erkennt.
Ohne Veränderung ist Zeit nicht denkbar, beide Begriffe sind nur Beschreibungsversuche ein und desselben Phänomens.

(etwas grundlegendere Betrachtungen hier)

Unsere zeitliche Wahrnehmung verläuft dabei (scheinbar) linear, von Vergangenheit über die Gegenwart hin zur Zukunft. Allerdings geschieht der eigentliche Wahrnehmungsakt immer gegenwärtig (oder besser vergegenwärtigt). Erinnerung (Vergangenheit) und Vorausschau (Zukunft) werden in die Gegenwart "gezogen" und erst dadurch wahrnehmbar. Auch die scheinbar gegenwärtige Körperwahrnehmung scheint mir eher vergegenwärtigt, betrachtet man den komplexen Akt der Verarbeitung vom sinnlichen Impuls bis hin zur sinnlichen Wahrnehmung ( physische Nervenimpulsweiterleitung, Filterung + Umwandlung durch Gehirn).

Zusammengefasst könnte man sagen, das Wahrnehmung zwar immer momentan und gegenwärtig ist, allerdings Sinneswahrnehmungen, Erinnerungen und Vorstellungen nur vergegenwärtigt werden und nicht substantiell dem Moment zugehörig sind.

Als nächsten Schritt gilt es die Eigenschaften der Begriffe Vergangenheit, Zukunft & Gegenwart näher zu untersuchen.
Ausgehend von der angenommenen linearen Struktur will ich bei der Vergangenheit beginnen.
Was verstehen wir darunter?

Der Duden zeigt uns folgende Definition:

  1.  
    1. der Gegenwart vorangegangene Zeit [und das in ihr Geschehene]
    2. jemandes Leben bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt
  2. (Sprachwissenschaft) Zeitform, die ein vergangenes Geschehen ausdrückt

Folgen wir dieser Beschreibung, so lassen sich zunächst einmal zwei Begrenzungen der Vergangenheit herausarbeiten.

Die erste Grenze ist offensichtlich die Gegenwart, denn Vergangenheit ist ja alles ihr vorangegangene. Dieser Übergang birgt einige Eigenheiten, deren Betrachtung ich aber lieber später im Zusammenhang mit der Gegenwart näher vertiefen möchte.

Die zweite Grenze ergibt sich aus der (scheinbar) endlichen, bedingten Natur der Zeit. Da Zeit an Veränderung gebunden ist, ergibt sich unter Berücksichtigung der Urknalltheorie (Beginn & Ende einer Veränderung) eine notwendige Annahme von Anfang und Ende der Zeit.
Die gedachte zweite Grenze wäre also der Beginn der Zeit.

Vergangenheit beschreibt demnach den Bereich vom Anfang der Zeit bis zum Beginn der Gegenwart.

Analog dazu gilt es nun die Zukunft zu betrachten.


  1.  
    1. Zeit, die noch bevorsteht, die noch nicht da ist; die erst kommende oder künftige Zeit (und das in ihr zu Erwartende)
    2. jemandes persönliches, zukünftiges Leben; jemandes noch in der Zukunft liegender Lebensweg
  2. (Sprachwissenschaft) Zeitform, die ein zukünftiges Geschehen ausdrückt; Futur
Hier lässt es sich zwar nicht in der sprachlichen Definition erkennen, allerdings scheint offensichtlich, dass die Grenzen der Zukunft ähnlich gelagert sind wie in der Vergangenheit.
Zum Einen wird sie begrenzt durch Gegenwart, denn sie ist alles, was auf diese folgt.
Zum Anderen mündet sie im gedachten Ende der Zeit.

Zukunft beschreibt demnach den Bereich vom Ende der Gegenwart bis zum Ende der Zeit.

Damit kann die Betrachtung natürlich noch nicht beendet werden, es gilt die "äußeren" Begrenzungen der Zeit in Augenschein zu nehmen, ihr Anfang und Ende.
Dabei offenbart sich ein paradoxes Phänomen.
Auf der einen Seite muss man von einem Beginn der Zeit ausgegangen werden, anderseits lässt sich der erste Moment nicht fassen. Für jeden vergangenen Augenblick kann ein vorhergehender gedacht werden, der "Beginn der Zeit" bleibt immer abstrakt und unfassbar, da Zeitlosigkeit nicht gedacht werden kann. Da der erste Moment seine "äußere" Grenze
zur Zeitlosigkeit hin hat, ist er paradoxer Natur, teilhabend an Zeit wie an Zeitlosigkeit.
Deshalb lässt er sich bildlich gesprochen nur umkreisen, aber nicht letztendlich einfangen.

Analog dazu kann man den letzten Moment, die "äußere" Grenze der Zukunft betrachten.

Zusammenfassend folgt daraus, dass die äußeren Grenzen der Zeit durch ihre Teilhabe an der Zeitlosigkeit nicht fest bestimmbar sind.

Als letztes und zentrales Element gilt es nun die Gegenwart zu untersuchen, die "innere" Grenze von Vergangenheit und Zukunft.

  1. Zeit[punkt] zwischen Vergangenheit und Zukunft; Zeit, in der man gerade lebt; Jetztzeit
  2. (Sprachwissenschaft) Zeitform, die ein gegenwärtiges Geschehen ausdrückt; Präsens
  3. Anwesenheit
Hier scheint mir die sprachliche Definition teils brillant, teils etwas unzureichend.
Brillant durch die Formulierung "Zeitpunkt", unzureichend durch den Bezug auf Vergangenheit und Zukunft. Inhaltlich natürlich zutreffend, für unsere Zwecke aber schwierig, da sich so Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gegenseitig begründen.
Ich würde die Gegenwart lieber als den Zeitpunkt beschreiben, dessen Wahrnehmung durch
eine empfundene Vergangenheit und Zukunft begrenzt wird. Dies scheint vielleicht als Haarspalterei, mir geht es aber darum herauszuheben, dass die Gegenwart das Substantielle ist, auf das sich Vergangenes & Zukünftiges beziehen und sie somit unbedingt ist und nicht in Abhängigkeit zu diesem.

Um auf die besondere Bedeutung der Begriffswahl "Zeitpunkt" einzugehen, hier noch einmal ein Verweis auf den Duden.

           gedachtes geometrisches Gebilde mit bestimmter Lage (ohne Ausdehnung)

In Anwendung auf die Zeit ergibt sich die Bestimmtheit der Lage durch die Begrenzung durch Vergangenheit und Zukunft.
Die Nichtausdehnung ist Konsequenz des Umstandes, das stets ein kleinerer Moment angenommen werden kann.
Die Gegenwart kann nicht direkt durch den Verstand erfasst werden, denn es ist stets ein noch gegenwärtigerer Moment denkbar. Jede noch so kleine Zeiteinheit kann als kleiner gedacht werden, die "inneren" Grenzen der Zeit bleiben genauso unfassbar wie die äußeren.
Beginn und Ende der Gegenwart begrenzen einen zeitlosen Bereich innerhalb der Zeit, die eigentliche Zeitwahrnehmung spielt sich erst durch das Zusammenspiel aller 3 Bereiche ab.

Unsere Wahrnehmung ist zwar immer gegenwärtig, die Gegenwart an sich entzieht sich aber jeder festen Einordnung.

Wendet man diese Erkenntnisse auf die oben erarbeiteten Eigenschaften von Vergangenheit und Zukunft an, so zeigt sich, das die äußeren Grenzen der Zeit unfassbar bleiben aufgrund des Anteils an der Zeitlosigkeit, die sie umschließt.
Ebenso verhält es sich mit den inneren Grenzen, die die Zeitlosigkeit des Moments umrahmen.
Damit sind alle Bestimmungspunkte der Zeit gleichzeitig abhängig und doch unbestimmbar.
Abhängig weil sie durch den Zeitablauf wahrnehmbar werden.
Unbestimmbar weil sie sich durch ihren Anteil an der Zeitlosigkeit der Bestimmung verschließen.
Zeit als wahrnehmbares und denkbares Phänomen erscheint mir darum von paradoxer Natur, im Ablauf endlich, in der Dauer und im Kern unendlich.

Zum Abschluss möchte ich noch ein paar Gedanken über die Wahrnehmung im Zusammenhang mit der Zeit verfolgen.

Wahrgenommene Zeit ist immer vergegenwärtigte Zeit, Vergangenheit und Zukunft sind Hilfskonstrukte des Verstandes zum Zwecke der Erfassbarkeit und der Einordnung der Gegenwart.
Um den Bogen ganz zurück zum Anfang zu schlagen, zur scheinbaren Linearität des Zeitablaufs. Unter Berücksichtigung der Erkenntnisse über die Unbestimmbarkeit von Zeit scheint es mir als passender Zeit nicht als strikten Ablauf von Vergangenheit über Gegenwart zur Zukunft zu betrachten, sondern eher als eine Aneinanderreihung von unendlichen Momenten. Wobei die Eigenschaften des Moments diese vielen unendlichen Momente zu einer momentanen Unendlichkeit verschmelzen, in die unser Verstand eine Zeit hinein projiziert um sie erfassen zu können.